Matthias musste schließlich in die Innentasche seines Sakkos greifen und das Bündel mit den Geschenkumschlägen hervorholen. Widerwillig riss er den ersten dicken Umschlag auf. In der erstarrten Stille klang das Reißen des Papiers fast brutal – als würde gerade der Traum vom italienischen Sofa in zwei Hälften zerlegt.

Niemand am Tisch sagte ein Wort. Schein um Schein wurde auf die Tischdecke gelegt, während Laura mit zitternden Fingern nachzählte. Die Glitzersteine auf ihrem Kleid funkelten immer noch, doch die Fassade der großzügigen Gastgeberin war längst in sich zusammengefallen.

Am Ende kamen aus den Umschlägen 1.430 Euro zusammen. Die fehlenden 170 Euro musste meine Schwägerin von ihrem eigenen Sparkonto überweisen.

Nachdem die Zahlung durch war, reichte die Restaurantleiterin Laura den Beleg. Matthias starrte auf die aufgerissenen, leeren Umschläge.

„Das sollte also mein Geschenk sein?“, fragte er mit belegter Stimme. „Aufgegessener Stör, ein öffentlicher Skandal und der Versuch, Anna auszunehmen?“

Zum ersten Mal fand Laura keine passende Antwort.

Maria Möller sah mich schuldbewusst an.

„Sie müssen sich nicht entschuldigen“, sagte ich ruhig. „Wichtig ist nur, dass Laura ihre eigene Großzügigkeit am Ende selbst bezahlt hat.“

Daniel Sommer und ich gingen gemeinsam hinaus. Wir blieben nicht, um eine Feier zu retten, die auf meine Kosten hätte glänzen sollen.

Das italienische Sofa wurde nie gekauft. Matthias Albrecht überließ seiner Frau danach nicht mehr bedenkenlos die gemeinsamen Rücklagen. Maria Möller unterstützte Lauras vorgetäuschte Großzügigkeit kein zweites Mal. Und die Verwandtschaft wusste nun sehr genau, wer versucht hatte, mir heimlich die Rechnung zuzuschieben.

Laura König hatte die Geburtstagsumschläge behalten und mir die Restaurantrechnung überlassen wollen. Am Ende verschlang der Stör sämtliche Geschenke – und unter dem Zahlungsbeleg stand nicht meine, sondern ihre eigene Unterschrift.

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— Meine Schwiegermutter erhob plötzlich Anspruch auf mein geerbtes Haus. Mein Mann stellte sich auf ihre Seite. An ihrem runden Geburtstag setzte ich beide vor die Tür.

Es war einer jener Abende, an denen der Himmel so tief über den Dächern hing wie eine nasse Wolldecke. Sogar die Katze, sonst ein unermüdlicher kleiner Motor auf vier Pfoten, hatte offenbar beschlossen, dass das Leben heute nichts Heiteres an sich hatte, und war unter die Decke gekrochen, wo sie sich als Sofakissen tarnte.