Außerdem ist hier keiner von euch gemeldet — auch Sie nicht, Sandra, so sehr Sie sich offenbar bemüht haben, das noch rechtzeitig zu erledigen. Ohne Meldeadresse und ohne Eigentumsanteil seid ihr in meiner Wohnung nichts weiter als Gäste. Und Gäste, die sich so benehmen, darf ich auffordern zu gehen. Henry, erklären Sie der Dame das bitte, bevor sie mir hier noch ein Theaterstück aufführt.

Der Anwalt räusperte sich und wich ihrem Blick aus.

— Rein rechtlich gesehen… ja. Die Eigentümerin kann das verlangen.

— Da hören Sie es. — Julia zog die Küchentür noch weiter auf. — Also. Packen.

Es dauerte lange, bis sie endlich gingen, und leise war es nicht. Sandra jammerte durchs ganze Treppenhaus, man setze eine kranke alte Frau einfach vor die Tür. Magdalena stopfte wortlos Kleider, Handtücher und irgendwelche Tüten in die karierten Reisetaschen. Leon lief zwischen seiner Mutter und seiner Frau hin und her, als könne er mit genügend hektischen Schritten alles rückgängig machen.

— Lasst uns doch vernünftig reden… Das ist doch Wahnsinn… Julia, bitte, komm zur Besinnung…

Aber Julia kam zu keiner anderen Besinnung als zu der, die sie endlich gefunden hatte.

Sie bestellte ihnen ein Taxi. Die Taschen trug sie sogar selbst nach unten — nicht aus Hilfsbereitschaft, sondern weil sie wollte, dass es schneller vorbei war. Dann blieb sie mit verschränkten Armen vor dem Hauseingang stehen, während Sandra sich mit zusammengekniffenem Mund auf den Rücksitz schob und Julia ansah, als wolle sie ein Loch in sie hineinbrennen.

Leon kam als Letzter. Die Sporttasche hing ihm schwer über der Schulter. Sein Gesicht wirkte müde, gekränkt, beinahe hilflos.

— Julia… und Elias?

— Elias bleibt bei mir. Du bist sein Vater, natürlich wirst du ihn sehen. Wir regeln das in Ruhe, auf normalem Weg und nicht hinter meinem Rücken mit irgendwelchen Anwälten. Aber wohnen wird er hier. In seinem Zuhause.

— Du machst unsere Familie kaputt.

Julia sah ihn an. In diesem Moment merkte sie, dass der Zorn in ihr nachließ. Zurück blieb nur eine tiefe, matte Traurigkeit.

— Leon, ich habe diese Familie nicht zerstört. Ich habe nur endlich ausgesprochen, was hier wirklich passiert.

Er blieb noch einen Augenblick stehen. Vielleicht wartete er darauf, dass sie ihm nachlief, ihn am Ärmel festhielt, „Bleib“ sagte. Doch Julia bewegte sich nicht. Leon stieg ein, die Tür fiel zu, und das Taxi fuhr davon.

Eine Stunde später kam Elias aus der Schule zurück. Schon im Flur blieb er stehen. Die karierten Taschen waren verschwunden. Die fremden Hausschuhe standen nicht mehr neben der Tür. Seine Zimmertür war offen, und auf dem Regal warteten wieder seine Autos, ordentlich nebeneinander aufgereiht.

— Mama, wo sind denn alle?

Julia ging vor ihm in die Hocke.

— Oma Sandra und Tante Magdalena sind wieder zu sich gefahren. Und Papa wohnt erst einmal woanders.

— Für immer?

— Das weiß ich noch nicht, mein Schatz. Aber du wirst ihn sehen. Er bleibt dein Papa.

Elias überlegte, die Stirn ernst gerunzelt.

— Und in meinem Zimmer schlafe jetzt wieder ich?