
„Nach der Scheidung zieht meine Mutter hier ein“, erklärte Felix mit ungerührter Selbstverständlichkeit
Diese kaltschnäuzige Selbstverständlichkeit war unerträglich und ungerecht.
„Nach der Scheidung zieht meine Mutter hier ein“, erklärte Felix. „Das kleine Zimmer räumst du komplett. Falls du die Möbel brauchst, nimmst du sie eben mit.“
Ein paar Sekunden lang starrte ich meinen Mann nur an und versuchte zu begreifen, an welchem Punkt unser Gespräch über die Trennung plötzlich zu meiner Ausquartierung geworden war.
„Wohin soll ich die Möbel denn mitnehmen?“
Felix legte sein Handy zur Seite. In seiner Stimme lag bereits Ungeduld.
„Luisa, fangen wir jetzt wieder von vorn an? Ich bleibe hier, Mama kommt zu mir. Du suchst dir eine kleinere Wohnung. Allein brauchst du sowieso keine zwei Zimmer.“

Wir saßen in der Küche der Wohnung, die ich 2015 gekauft hatte. Geheiratet hatten wir 2019, und nach der Hochzeit war Felix zu mir gezogen.
All die Jahre hatte ich diese Wohnung unser Zuhause genannt. Es war mir nie in den Sinn gekommen, ihm ständig unter die Nase zu reiben, dass nur ich als Eigentümerin eingetragen war.
Felix hatte daraus offenbar seine ganz eigene Schlussfolgerung gezogen.
„Warum solltest ausgerechnet du hierbleiben?“, fragte ich.
Er antwortete in einem Ton, als müsse er mir eine völlig selbstverständliche Kleinigkeit erklären.
„Weil ich seit sieben Jahren hier wohne. Mein Arbeitsplatz ist in der Nähe, das Fitnessstudio auch, ich kenne die Läden hier. Du arbeitest doch von zu Hause. Was macht es für dich für einen Unterschied, wo du sitzt? Mama findet das übrigens auch vernünftiger.“
„Du hast das schon mit deiner Mutter besprochen?“
„Natürlich. Nach der Scheidung zieht sie hier ein.“
Unsere Trennung war noch nicht einmal endgültig ausgesprochen, da hatten die beiden bereits festgelegt, wo ich künftig wohnen sollte, wo Felix blieb und welches Zimmer Sandra Lorenz bekommen würde.
Am nächsten Tag kam meine Schwiegermutter persönlich vorbei.
Ich arbeitete gerade im kleinen Zimmer, als ich ihre Stimme im Flur hörte.
„Felix, gib mir mal den Zollstock. Wenn Luisa den Schreibtisch mitnimmt, passt die Kommode ganz sicher hierhin.“
Ich trat aus dem Zimmer.
Sandra Lorenz stand an der Wand und maß die freie Fläche aus. Felix blickte auf sein Handy und tippte Zahlen ein.
„Was machen Sie da?“, fragte ich.
Meine Schwiegermutter drehte sich vollkommen gelassen zu mir um.
„Wir schauen, welche meiner Möbel hier unterkommen. Die Kommode möchte ich ungern zurücklassen. Die Regale nimmst du ja mit, die brauchst du für deine Arbeit.“
„Wohin nehme ich sie mit?“
Sie zog die Stirn kraus.
„Na, in deine neue Wohnung. Felix hat gesagt, ihr hättet das schon entschieden.“
„Felix hat entschieden.“
Mein Mann mischte sich sofort ein.
„Luisa, wir haben das gestern besprochen.“
„Nein. Du hast mir gestern einen fertigen Plan präsentiert.“
Sandra Lorenz klappte den Zollstock zusammen und sagte versöhnlich:
„Warum muss man sich denn an Formulierungen aufhängen? Ihr zieht doch ohnehin auseinander. Felix ist an diese Wohnung gewöhnt. Für dich ist es viel einfacher, dir etwas anderes zu suchen.“
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