„Gut“, sagte sie so ruhig, dass Sebastian für einen Moment sichtbar aus dem Konzept geriet. „Dann bereite ich euch ein Abendessen zu, das ihr mit Sicherheit nie wieder vergessen werdet.“
Sie ging in die Küche und schob die Glastür hinter sich zu.
Dort nahm sie ein Tablet aus einer Schublade und öffnete das Sicherheitssystem, das sie einige Monate zuvor hatte einbauen lassen.
Die Kamera im Eingangsbereich hatte festgehalten, wie Sebastian sie geschlagen hatte.
Die Kamera im Wohnzimmer hatte jede Beleidigung, jede Demütigung und jedes Wort aufgezeichnet.
Julia leitete die Dateien an Jakob weiter, ihren Anwalt.
Danach aktivierte sie einen privaten Livestream. Zugeschaltet waren mehrere leitende Angestellte und Prüfer aus der Firma, für die Sebastian arbeitete.
Sie suchte keine Bühne.
Sie brauchte Zeugen.
Erst dann zog sie eine weitere Schublade auf und nahm fünf teure Luxusuhren heraus. Es waren genau jene Stücke, mit denen Sebastian gern seinen angeblichen Erfolg demonstrierte.
Was Sebastian nicht ahnte:
Julia wusste seit Langem, dass drei dieser Uhren mit Geld gekauft worden waren, das aus Firmenkonten verschwunden war.
Seriennummern, Rechnungen und Zahlungsnachweise waren bereits gesichert. Jakob hatte alles in seinen Unterlagen.
Julia füllte einen Topf mit Wasser und stellte ihn auf die Herdplatte.
Als das Wasser sprudelnd kochte, ließ sie die Uhren nacheinander hineinfallen.
Anschließend warf sie Kopien vertraulicher Kontoauszüge hinterher.
Eine Viertelstunde später riss Sebastian wütend die Küchentür auf und stürmte herein.
Er starrte in den Topf.
Sein Gesicht verzerrte sich.
„Was zur Hölle hast du gemacht?!“
Christina und Hannah drängten sich unmittelbar hinter ihm in die Küche.
Julia verschränkte langsam die Arme vor der Brust.
„Ihr wolltet doch das kostspieligste Abendessen im ganzen Haus. Bitte schön. Hier ist es.“
Hannah bemerkte als Erste das eingeschaltete Tablet.
Als sie las, welche Personen live zugeschaltet waren und jedes Wort, jede Bewegung mitverfolgten, wich ihr sämtliche Farbe aus dem Gesicht.
„Sebastian … deine Vorgesetzten sehen das.“
Genau in diesem Moment erklangen draußen Sirenen.
Sebastian sah Julia an, als erkenne er sie zum ersten Mal wirklich.
Sie zuckte nicht einmal mit der Wimper.
Keiner von ihnen wusste, wer gleich durch diese Tür treten würde.
TEIL 2
Sebastian reagierte auf die Sirenen, als seien sie ein persönlicher Angriff auf ihn.
„Schalt das sofort aus!“, brüllte er und machte einen Satz in Richtung Tablet.
Julia zog es rechtzeitig zurück, noch bevor seine Finger es berühren konnten.
Hannah versuchte, es ihr aus der Hand zu reißen. Doch Christina hielt sie instinktiv am Arm fest, denn in diesem Moment donnerte ein hartes Klopfen gegen die Haustür.
„Polizei! Öffnen Sie bitte!“
Sebastian drehte sich zu Julia um. In seinem Blick lagen gleichzeitig Hass und Panik.
„Das warst du.“
„Nein“, antwortete sie leise und gefasst. „Das hast du selbst ausgelöst, als du deine Hand gegen mich erhoben hast.“
Zwei Polizeibeamte betraten das Haus, begleitet von einem Mitarbeiter eines privaten Sicherheitsdienstes.