Am Morgen kam Oskar zurück. Er roch nach Zigaretten. Amelie saß bereits mit einer Tasse Kaffee in der Küche.
Sein Blick fiel auf den blauen Fleck an ihrem Arm, doch er sah sofort wieder weg.
— Wie lange willst du jetzt noch beleidigt sein? — fragte er mit gespielter Müdigkeit. — Ich habe gestern auch überreagiert.
— Du hast mich aufs Sofa geschleudert und mir gedroht, mich ohne Geld dastehen zu lassen.
— Jetzt mach kein Drama daraus — verzog er das Gesicht. — Niemand hat dich verprügelt. Wir waren beide aufgebracht. Und du hast mich provoziert.
Amelie stellte die Tasse langsam ab.
— Also bin ich wieder schuld?
— Ob schuld oder nicht … Manchmal muss man eben lernen, rechtzeitig den Mund zu halten.
Amelie sah ihn an. Er verteidigte sich nicht nur. Er war immer noch überzeugt, dass sie selbst verantwortlich dafür war, dass er ausgerastet war.
— Am Samstag gehe ich nirgendwohin — sagte sie.
Oskar stieß laut die Luft aus.
— Hörst du dir eigentlich selbst zu? Ich habe dir gesagt, dass Vater Gäste erwartet. Essen zu bestellen ist zu spät und viel zu teuer.
— Das ist nicht mein Problem.
— Natürlich ist es dein Problem. Du bist meine Frau.
— Eine Ehefrau ist nicht die kostenlose Haushaltshilfe deiner Mutter.
— Fängst du schon wieder damit an.
Als Oskar duschen ging, vereinbarte Amelie einen Termin in der Unfallchirurgie, informierte ihre Arbeit, dass sie heute von zu Hause aus arbeiten würde, und schrieb einer Anwältin, deren Kontakt ihr früher einmal eine Kollegin gegeben hatte.
Gegen Mittag rief Elisabeth an.
Amelie nahm trotzdem ab.
— Ja?
— Amelie, was hast du denn schon wieder angestellt? — begann Elisabeth ohne jede Begrüßung. — Oskar sagt, du stellst dich wieder an. Dein Schwiegervater hat Geburtstag, wir erwarten Gäste, und ich stehe mit allem allein da.
— Ich komme nicht, Elisabeth.
— Du kommst nicht? — wiederholte die Schwiegermutter in einem Ton, als hätte sie noch nie eine größere Unverschämtheit gehört. — Und wer soll mir dann helfen? Du bist jung, du hast zwei gesunde Hände und Beine.
— Das ist nicht meine Aufgabe.
— Aufgabe! — schnaubte Elisabeth. — Lebst du in einer Familie oder wo? Wir haben euch damals übrigens auch bei der Hochzeit und mit der Wohnung geholfen. Aber von dir kann man nicht einmal einen einzigen Abend Unterstützung erwarten.
— Ihr habt uns nicht kostenlos geholfen. Wir haben alles zurückgezahlt.
— Ach, so redest du also.
— Ach, so sprichst du also mit mir. Geld zurückgegeben, und damit ist die Sache erledigt? Dann zählt Familie plötzlich nicht mehr? Dann braucht man vor den Älteren keinen Respekt mehr zu haben? Kein Wunder, dass Oskar bei dir die Nerven verliert. Mit dir kann man ja gar nicht normal reden.
— Normal hat hier noch niemand mit mir gesprochen.
— Weil du deine Nase viel zu hoch trägst. Nichts bekommst du ordentlich auf die Reihe, aber aufführen tust du dich wie eine Königin. Zu meiner Zeit habe ich gearbeitet, den Haushalt gemacht, ein Kind großgezogen und trotzdem auf die Älteren gehört.
Früher hätte Amelie sofort begonnen, sich zu rechtfertigen. Diesmal blieb sie still und ließ sich nicht hineinziehen.