Über Monate hinweg hatte ich jede einzelne Überweisung, jede Quittung und jede Abbuchung sortiert. Nichts daran war zufällig, nichts war aus dem Gedächtnis zusammengesucht.

In weniger als zwei Jahren hatte ich mehr als fünfzigtausend Euro gezahlt. Ein Teil davon war tatsächlich für Felix bestimmt gewesen. Ein anderer Teil war Geld, das Hannah unter dem bequemen Sammelbegriff „Familienbedarf“ von mir eingefordert hatte.

Einer von Felix’ Paten blickte ungläubig zwischen uns hin und her.

— Mehr als fünfzigtausend?

Maximilian sagte kein Wort.

Und dieses Schweigen war lauter als jede Erklärung.

Dann sprach ich das aus, womit nicht einmal mein eigener Mann gerechnet hatte.

— Vor drei Monaten war ich bei der Bank, weil ich einen Privatkredit entdeckt habe, den ich angeblich selbst für „Ausgaben des Kindes“ beantragt haben soll.

Maximilians Gesicht verlor jede Farbe.

Hannah hielt für einen Sekundenbruchteil die Luft an.

Ich fuhr fort:

— Die Unterschrift darunter stammte nicht von mir.

Ein Raunen ging durch die Familie.

Maximilian presste die Lippen aufeinander.

— Dafür gibt es eine Erklärung.

— Ausgezeichnet, sagte ich. — Dann bekommst du gleich die Gelegenheit, sie zu liefern.

Hannah versuchte, mich am Arm zu fassen und beiseitezuziehen. Ich entzog mich ihr.

Da wurde ihre Stimme scharf.

— Zahl erst den Saal. Unsere privaten Angelegenheiten besprechen wir später zu Hause.

— Nein.

— Mach dich nicht lächerlich!

— Ich mache mich nicht lächerlich. Ich höre nur endlich damit auf, dein Leben zu finanzieren.

Der Geschäftsführer stand noch immer neben unserem Tisch. Man sah ihm deutlich an, dass er am liebsten unsichtbar geworden wäre.

Hannah zeigte erneut auf mich.

— Ziehen Sie den Betrag einfach von ihrer Karte ein.

— Dafür gibt es keine Genehmigung, sagte ich ruhig.

Maximilian holte seine eigene Karte hervor und reichte sie dem Geschäftsführer.

Das Terminal piepte.

Zahlung abgelehnt.

Er probierte eine zweite Karte.

Wieder abgelehnt.

Dann hob er den Blick und sah mich an.

— Was hast du gemacht?

— Ich habe alle Zusatzkarten kündigen lassen, die an mein Konto gekoppelt waren.

— Wann?

— Letzte Woche.

In seinem Gesicht konnte ich genau den Moment erkennen, in dem er begriff, dass dies kein plötzlicher Wutausbruch war. Ich hatte mich vorbereitet.

Langsam griff ich in meine Handtasche und zog einen Umschlag heraus.

— Und heute Morgen habe ich die Scheidung eingereicht.

Maximilian erstarrte.

Doch bevor er auch nur eine Antwort hervorbringen konnte, wurde der Abend von etwas unterbrochen, das alles noch einmal in ein völlig anderes Licht rückte.

In diesem Moment vibrierte mein Handy.

Es war eine Mitteilung meiner Anwältin Clara.

Eine einzige Nachricht, und plötzlich verschob sich selbst das Bild, das ich mir bis dahin von unserer Ehe gemacht hatte.

Sie hatte herausgefunden, wer den Kredit wirklich mit meinen persönlichen Angaben beantragt hatte.

Und als ich den Namen auf dem Display las, begriff ich endlich, weshalb Maximilian mich seit Wochen beinahe verzweifelt gebeten hatte, unsere Konten nicht zu genau anzusehen.