— Du stellst das völlig übertrieben dar.

Ich griff nach der Mappe, die ich mitgebracht hatte.

Maximilian sah mich überrascht an.

Offenbar hatte er geglaubt, ich hätte höchstens ein paar Screenshots auf meinem Handy. Er wusste nicht, dass ich seit Wochen Belege gesammelt, sortiert und ausgedruckt hatte.

— Das hier sind die Kontobewegungen der letzten zwei Jahre.

Ich legte mehrere Seiten auf den Tisch.

— Hier stehen alle Zahlungen für Felix: Babynahrung, Windeln, Arzttermine, Kita, Impfungen, Kleidung, Medikamente. Das alles habe ich übernommen, und darüber beschwere ich mich nicht.

Dann nahm ich einen zweiten Stapel aus der Mappe und legte ihn daneben.

— Und hier sind die Ausgaben, die mir ebenfalls als angeblich notwendig für das Kind verkauft wurden.

Ich begann vorzulesen.

— Neue Küche. Neuer Kühlschrank. Ein Fernseher mit fünfundsechzig Zoll. Raten für Hannahs Auto. Zugtickets. Hotelübernachtungen. Schmuck. Eine neue Wohnzimmereinrichtung.

Am anderen Ende des Saals rief eine Frau fassungslos:

— Inwiefern braucht Felix denn einen Fernseher?

Hannah antwortete viel zu schnell.

— Er wohnt bei mir. Wenn mein Zuhause besser ausgestattet ist, profitiert er doch auch davon.

Ich neigte den Kopf.

— Dann haben deine Ohrringe sein Leben wahrscheinlich auch spürbar verbessert?

Ein ersticktes Lachen ging durch den Raum.

Hannahs Gesicht färbte sich dunkelrot.

— Du hast kein Recht, mich hier bloßzustellen.

Ich lächelte, aber es lag keine Freude darin.

— Bloßstellen? Hannah, du hast jahrelang vor dieser ganzen Familie erzählt, eine anständige Ehefrau stelle keine Fragen, wenn es um Geld gehe. Sobald ich sagte, dass ich müde davon bin, alles allein zu tragen, nanntest du mich egoistisch. Und wenn ich wollte, dass Maximilian sich stärker beteiligt, hast du behauptet, ich wolle ihn von seiner Mutter und seinem Neffen wegziehen.

Ich ließ meinen Blick über die Anwesenden gleiten.

Einige senkten die Augen.

Sie wussten genau, dass sie solche Sätze gehört hatten. Mehr als einmal.

Da nahm Felix’ Pate eines der Blätter vom Tisch und überflog die Zahlen.

— Du hast wirklich die komplette Kita bezahlt?

— Ja.

Er sah Hannah an.

— Uns hat sie erzählt, sie würde das übernehmen.

Hannah öffnete den Mund.

Doch diesmal kam nichts heraus.

Eine andere Frau beugte sich vor.

— Und der Kinderarzt?

— Den habe ebenfalls ich bezahlt.

— Sie hat uns dasselbe gesagt. Dass sie dafür aufkommt.

Zum ersten Mal kippte die Stimmung.

Bis zu diesem Moment hatten viele offenbar angenommen, ich würde wegen einer einzigen Restaurantrechnung einen Aufstand machen. Nun dämmerte ihnen, dass dieser Abend nicht der Anfang war, sondern nur der letzte sichtbare Riss in etwas, das längst kaputt gewesen war.

Maximilian trat näher an mich heran.

— Wir fahren jetzt nach Hause.

Ich sah ihn an.

— Ich wohne nicht mehr mit dir zusammen.

Er blieb stehen, als hätte ihn jemand gestoßen.

— Was soll das heißen?

— Dass ich heute Morgen meine persönlichen Sachen geholt habe.

— Das kannst du doch nicht einfach machen, ohne vorher mit mir zu sprechen.

— Du hast einen Kredit mit meinen Unterlagen aufgenommen, ohne vorher mit mir zu sprechen.