Am nächsten Morgen war nichts mehr wie zuvor.
Vor Jahren, nachdem ich das Unternehmen meines Vaters übernommen hatte, hatte ich mein Vermögen bewusst aus der Öffentlichkeit herausgehalten. Ich wollte wissen, ob Menschen zuerst mich sahen – oder nur das Geld, das hinter meinem Namen stand.
So war Alexander Lorenz in mein Leben getreten.
Zu Beginn wirkte er warmherzig, aufmerksam und erstaunlich gleichgültig gegenüber Rang, Einfluss und gesellschaftlichem Ansehen.
Seine Familie dagegen brauchte nicht lange, um ihr wahres Gesicht zu zeigen.
Maria Böhm behandelte mich vom ersten Tag an, als stünde ich weit unter ihr. Bei jeder Gelegenheit ließ sie mich spüren, dass ich ihrer Meinung nach nicht in ihre Kreise gehörte. Alexander sah diese Demütigungen mit an. Anfangs zuckte er noch zusammen, manchmal setzte er sogar zu einem Einwand an. Doch mit der Zeit verstummte auch das.
Währenddessen begann das Firmengeflecht der Familie Böhm im Stillen zu wanken. Unter der Last ständig wachsender Schulden zerfiel es langsam von innen. Über die Finanzabteilungen von Sterling Meridian konnte ich klar erkennen, dass ihr angebliches Imperium nur noch deshalb nicht zusammengebrochen war, weil es von Investitionen gestützt wurde, die am Ende mit meinen eigenen Unternehmen verknüpft waren.
Ich hatte meine wahre Identität verschwiegen, weil ich herausfinden wollte, ob Alexander mich liebte – nicht meinen Namen, nicht meinen Einfluss, nicht mein Vermögen.
Die Jubiläumsgala lieferte mir die Antwort.
Am Morgen nach der Veranstaltung machte Sterling Meridian seine Rechte geltend. Kreditvereinbarungen wurden fällig gestellt, Refinanzierungspakete eingefroren, und die ersten Schritte zur Übernahme wurden eingeleitet.
Binnen weniger Stunden brach bei Böhm Holdings Panik aus.
Gegen Mittag war die Nachricht schließlich auch bei Maria Böhm und Alexander Lorenz angekommen.
Wenig später erschienen sie gemeinsam mit dem Vorsitzenden des Aufsichtsrats in der Zentrale von Sterling Meridian. Sie verlangten Erklärungen, als stünde ihnen die Wahrheit noch immer zu.
Doch in dem Moment, in dem sie den Konferenzraum betraten und das Schild auf dem Tisch sahen, erstarrten sie.
CLARA SIMON – PRÄSIDENTIN, STERLING MERIDIAN GROUP
Für einen Augenblick schien niemand zu atmen.
Maria Böhm brachte kein Wort heraus.
Alexander Lorenz starrte mich an, als sähe er eine Tote vor sich stehen.
Ich erklärte ihnen mit ruhiger Stimme, dass die Frau, die sie am Abend zuvor vor aller Augen gedemütigt hatten, nun ihre wichtigste Gläubigerin war.
Maria nannte es Betrug.
Ich antwortete ohne jede Regung:
„Ich habe mich unter genau dem Namen vorgestellt, unter dem ihr mich kennengelernt habt. Alles andere habt ihr selbst ergänzt – mit Verachtung, Arroganz und euren Vorurteilen.“
Die Besprechung dauerte nicht einmal eine Stunde.
Ich legte ihnen drei Bedingungen vor.
Erstens: Die Scheidung würde ohne Forderungen von Alexanders Seite abgewickelt werden. Niemand aus der Familie durfte Anspruch auf mein Vermögen erheben.
Zweitens: Sterling Meridian würde Böhm Holdings neu ordnen, die unmittelbare Kontrolle der Familie beenden und eine unabhängige Geschäftsführung einsetzen.