Ich atmete tief durch.

— Katharina, ihr seid mit zwölf Leuten hier aufgetaucht, ohne dass mich vorher jemand gefragt hat.

— Wir sind Florians Familie.

— Und?

— Und du könntest dir wirklich ein bisschen mehr Mühe geben.

Ich sagte nichts.

Ich wollte einem Streit aus dem Weg gehen.

Florian zuliebe.

Eigentlich immer Florian zuliebe.

Doch keine zehn Minuten später kippte Katharina Rotwein auf die Tischdecke.

Sie machte nicht einmal den Versuch, etwas dagegen zu unternehmen. Sie saß nur da und sah zu, wie sich der dunkle Fleck langsam über den weißen Stoff fraß.

Dann rief sie aus dem Esszimmer:

— Franziska!

Ich stand in der Küche.

— Was ist?

— Komm her und wisch das weg.

Diesmal blieb ich, wo ich war.

— In der Schublade neben dir liegen Servietten.

Für einen Moment herrschte Stille.

Dann tauchte sie in der Küchentür auf.

— Ich habe dich gebeten, herzukommen und sauberzumachen.

— Und ich habe dir gesagt, wo du Servietten findest.

— Kannst du nicht einmal damit aufhören, ständig Widerworte zu geben?

— Und könntest du aufhören, mir in meinem eigenen Haus Befehle zu erteilen?

Ihr Gesicht veränderte sich.

Sie trat einen Schritt näher.

— Hör mir jetzt gut zu. Wenn die ganze Familie hier ist, kümmerst du dich um die Gäste. So läuft das.

— Nicht bei mir.

— Fang nicht schon wieder mit diesem „bei mir“ an!

— Warum? Stört dich das?

Katharina wurde puterrot.

Und dann brüllte sie mich plötzlich vor allen an:

— Halt den Mund und mach, was man dir sagt!

Die Stille danach war beinahe vollkommen.

Ich sah diese Frau an, die seit Jahren Millimeter für Millimeter meine Grenzen verschoben hatte.

Im ersten Jahr unserer Ehe hatte sie meine Küchenschränke umsortiert.

Im zweiten Jahr bekam sie einen Schlüssel. Angeblich nur für Notfälle.

Kurz darauf kam sie einfach herein, ohne zu klingeln.

Später bestimmte sie, wo wir Weihnachten verbringen sollten.

Wohin wir in den Urlaub fuhren.

Wie viel Geld wir ausgeben durften.

Welche Möbel in unser Wohnzimmer passten.

Sie äußerte sogar ihre Meinung dazu, wann es für uns an der Zeit wäre, über Kinder nachzudenken.

Und jedes Mal, wenn ich mich wehrte, sagte Florian nur:

— Sie ist eben so. Nimm es dir nicht zu Herzen.

Aber an diesem Tag riss etwas in mir.

Oder vielleicht war es genau andersherum.

Vielleicht rückte endlich etwas an seinen richtigen Platz.

Langsam trocknete ich mir die Hände ab.

Dann sah ich Katharina direkt in die Augen.

— Und du scheinst vollkommen vergessen zu haben, in wessen Haus du hier gerade Befehle verteilst.

Ihr Gesicht erstarrte.

— Wie bitte?

— Du hast mich gehört.

Florian sprang auf.

— Franziska …

Ich hob die Hand.

— Nein, Florian. Diesmal hörst du mir zu Ende zu.

Er blieb stehen.

Ich wandte mich an die Anwesenden.

— Da ja ohnehin alle hier versammelt sind, können wir ein paar Dinge gleich klären.

Katharina stieß ein spöttisches Lachen aus.

— Was für ein Theater …

— Dieses Haus gehört mir.

Sie zuckte abfällig mit den Schultern.

— Wir wissen alle, dass ihr es zusammen gekauft habt.

— Nein.

In diesem Augenblick senkte Florian den Blick.

Und da begriff ich es.

Katharina wusste es nicht.