„Sie will doch nur helfen.“

„Du weißt doch, wie sie ist.“

„Sie meint es nicht böse.“

Dieser letzte Satz wurde nach und nach zur ständigen Begleitmusik unserer Ehe.

Sabine meinte nie etwas böse.

Nicht, als sie zu Felix’ Geburtstag zwölf Gäste in unser Haus einlud, ohne mich vorher auch nur zu fragen. Nicht, als sie meiner Schwägerin Lea Friedrich das Porzellanservice meiner Großmutter schenkte, weil es ihrer Ansicht nach „sowieso nur unnütz im Schrank verstaubte“.

Und auch nicht, als sie vor unseren Freunden erklärte, mein Gehalt sei „lächerlich hoch dafür, dass ich den ganzen Tag bloß vor einem Computer sitze“.

Drei Wochen vor jenem verhängnisvollen Abend überschritt sie jedoch eine Grenze, die selbst für sie neu war.

Es war ein Sonntagmorgen. Felix kam mit einer Tasse Kaffee in die Küche und blieb neben der Arbeitsplatte stehen.

„Mama hat da eine Idee.“

Schon dieser eine Satz hätte mich misstrauisch machen müssen.

„Was für eine Idee?“, fragte ich.

Er nahm einen Schluck Kaffee, als müsse er sich Zeit verschaffen.

„Du weißt ja, dass das Haus meiner Eltern auf dem Land immer teurer im Unterhalt wird.“

Ich nickte.

Es handelte sich um ein älteres Gebäude, ungefähr eine Autostunde von der Stadt entfernt. Sabine und ihr Mann verbrachten dort im Jahr nur ein paar Wochen.

„Papa würde es am liebsten verkaufen“, fuhr Felix fort. „Aber Mama will davon nichts hören. Also hat sie sich etwas anderes überlegt.“

Er zögerte.

„Sie möchte, dass wir uns an den Renovierungskosten beteiligen.“

Ich sah ihn an.

„In welcher Höhe?“

„Ungefähr vierzigtausend Euro.“

Für einen Augenblick war ich überzeugt, mich verhört zu haben.

„Vierzigtausend?“

„Das Dach muss gemacht werden, die Elektrik ist veraltet, die Küche auch …“

„Und weshalb sollten ausgerechnet wir das bezahlen?“

Felix atmete schwer aus.

„Weil dieses Haus eines Tages wahrscheinlich ohnehin uns gehören wird.“

Allein dieses Wort – wahrscheinlich – ließ mich sofort aufhorchen.

Ich hakte sofort nach.

„Soll es auf deinen Namen überschrieben werden?“

„Nein.“

„Auf unseren?“

„Auch nicht, aber …“

„Dann erwartest du also, dass ich vierzigtausend Euro in ein Haus stecke, das weiterhin deinen Eltern gehört.“

Felix wich meinem Blick aus.

„Sie sind nun mal meine Familie, Hannah.“

Ich stellte meine Tasse langsam auf den Tisch.

„Und was bin dann ich?“

Er schwieg.

Mehr Antwort brauchte ich nicht.

Zwei Tage später erfuhr ich, dass es noch einen zweiten Teil dieses Plans gab.

Lea Friedrich rief mich an.

Sie sprach viel zu schnell, wie immer, wenn sie angespannt war.

„Hannah, hat Mama schon mit dir wegen des Hauses geredet?“

„Felix hat es erwähnt.“

„Und? Macht ihr mit?“

„Nein.“

Am anderen Ende blieb es still.

Dann sagte sie leise:

„Verstehe.“

Dieses kleine, vorsichtige „Verstehe“ machte mich sofort misstrauisch.

„Warum fragst du?“

„Ach, nur so.“

„Lea.“

Sie seufzte.

„Mama hat gesagt, ihr würdet die Renovierung bezahlen.“

„Wie bitte?“

„Na ja … eigentlich vor allem du.“

Mir zog sich der Magen zusammen.

„Warum vor allem ich?“

„Weil Felix ihr erzählt hat, dass du deinen Jahresbonus bekommen hast.“

Ich schloss für einen Moment die Augen.