Was ich dabei erfuhr, veränderte meinen Blick auf die gesamte Situation.
Das Haus, in dem Felix und ich lebten, hatte ich zwei Jahre vor unserer Hochzeit gekauft.
Das Eigenkapital stammte aus meinen Ersparnissen und aus dem Erbe meines Vaters.
Auch der Kredit lief ausschließlich auf meinen Namen.
Felix beteiligte sich an den laufenden Haushaltskosten, aber Eigentümer war er nicht.
Das alles wusste ich bereits.
Was ich jedoch nicht gewusst hatte: Sabine sah die Dinge offenbar völlig anders.
Einige Tage später sollte ich auch dafür den Beweis bekommen.
Sabine schlug selbst ein gemeinsames Abendessen vor.
„Dann klären wir das endlich wie erwachsene Menschen“, erklärte sie am Telefon.
Ich sagte zu.
Doch bevor die anderen kamen, legte ich einen Umschlag in eine Schublade der Anrichte.
Um Punkt sieben standen Sabine und ihr Mann vor der Tür.
Zehn Minuten später trafen auch Lea Friedrich und ihr Mann ein.
Das Essen hatte ich vorbereitet.
In der ersten halben Stunde wirkte beinahe alles normal. Fast so, als säßen wir einfach zu einem gewöhnlichen Familienabend zusammen.
Dann legte Sabine Ludwig ihr Besteck neben den Teller.
„Gut“, sagte sie. „Vielleicht können wir jetzt endlich über das Haus sprechen.“
Felix Friedrich versteifte sich neben mir.
Ich nahm einen Schluck Wasser.
„Einverstanden.“
Sabine faltete die Hände vor sich auf dem Tisch. „Dein Schwiegervater hat inzwischen die endgültigen Angebote bekommen. Die Arbeiten werden 37.800 Euro kosten.“
Sie sagte es in einem Ton, als wäre die Sache längst beschlossen.
„Und?“, fragte ich.
„Wir sind der Meinung, dass es am vernünftigsten wäre, wenn du und Felix diese Summe übernehmt.“
Ich sah sie ruhig an. „Warum nicht Lea?“
Meine Schwägerin senkte sofort den Blick.
Sabines Augenbrauen zogen sich zusammen.
„Lea hat zwei Kinder.“
„Und weiter?“
„Sie hat einfach höhere Ausgaben.“
„Das heißt, wir sollen zahlen, weil wir keine Kinder haben?“
„Das habe ich nicht gesagt.“
„Doch. Genau darauf läuft es hinaus.“
Da mischte sich Felix’ Vater ein.
„Hannah, niemand will dich ausnutzen.“
„Das habe ich auch nicht behauptet.“
Sabine verlor sichtbar die Geduld. Ihre Stimme wurde schärfer.
„Warum musst du alles so kompliziert machen? Ihr könnt es euch leisten.“
„Das ist kein Argument.“
„Am Ende bleibt das Geld doch in der Familie.“
Ein schmales Lächeln huschte über mein Gesicht.
„Gut. Dann überschreibt uns den entsprechenden Anteil am Haus.“
Am Tisch wurde es still.
Sabine starrte mich an, als hätte ich sie persönlich beleidigt.
„Wie bitte?“
„Wenn wir die komplette Renovierung bezahlen sollen, dann übertragt uns auch den passenden Miteigentumsanteil.“
„Das kommt überhaupt nicht infrage!“
„Warum nicht?“
„Weil dieses Haus meinem Mann und mir gehört!“
Ich ließ zwei Sekunden verstreichen.
„Ganz genau.“
Erst da begriff sie, dass sie mein Argument gerade selbst ausgesprochen hatte.
Lea wandte den Kopf zur Seite, um ihr Lächeln zu verbergen.
Sabines Gesicht lief rot an.
„Du verdrehst mir die Worte!“
„Nein. Ich spreche nur über Eigentum.“
„Du hast wirklich keine Ahnung, was Familie bedeutet.“