
„Stell dir vor, jetzt habe ich meinen Anteil für die Hochzeit endlich vollständig zusammen.“ Moritz‘ Gesicht wurde sofort hell, er sprang auf und zog sie an sich
Verdiente Freiheit, zerbrechliche Freude und vorsichtige Hoffnung.
Clara Krüger schloss ihr Smartphone an das Ladekabel an und bemerkte erst danach, dass sich unwillkürlich ein Lächeln auf ihr Gesicht gelegt hatte.
Es gibt Nachrichten, die das Herz früher erreichen als den Kopf. Noch bevor man richtig versteht, was geschehen ist, breitet sich bereits Wärme in einem aus.
Ende Oktober war endlich die Sonderzahlung auf ihrem Konto gelandet.
Mit diesem Betrag hatte sie nicht gerechnet.
Es war kein Zufall, kein großzügiges Präsent.

Sie hatte sich dieses Geld erarbeitet.
Acht Monate lang hatte Clara Krüger an einem Projekt gesessen, das sich endlos hingezogen hatte. Späte Abende, zusätzliche Stunden, Wochenenden am Laptop — irgendwann hatte niemand mehr mitgezählt, wie viel Zeit darin verschwunden war.
Nun aber war alles abgeschlossen.
Die Finanzabteilung hatte überwiesen.
Und zum ersten Mal seit langer Zeit hatte Clara Krüger das Gefühl, wieder frei atmen zu können.
Noch am selben Abend erzählte sie Moritz Möller davon.
Ohne großes Aufheben.
Sie kochte sich Tee, ließ sich neben ihm nieder und sagte ruhig:
„Stell dir vor, jetzt habe ich meinen Anteil für die Hochzeit endlich vollständig zusammen.“
Moritz Möllers Gesicht veränderte sich sofort. Es wurde hell, beinahe jungenhaft.
Er sprang auf, zog sie an sich und redete schon im nächsten Moment durcheinander von allem, was nun erledigt werden musste: ein Datum festlegen, ein Restaurant aussuchen, einen Fotografen finden, die Einladungen vorbereiten. Clara Krüger hörte ihm zu und lächelte.
Jetzt würde es also wirklich passieren.
Eine große Feier hatten sie nie gewollt.
Vielleicht dreißig Menschen, mehr nicht. Die wichtigsten Freunde, die nächsten Angehörigen. Ein hübsches Lokal, etwas Live-Musik, gutes Essen und ein Abend, an den man sich gern erinnerte.
Kein übertriebener Luxus.
Keine endlose Reihe von Verwandten, deren Namen sie kaum kannten.
Kein Geld, das nur ausgegeben wurde, um Eindruck zu machen.
Ihre Eltern waren längst eingeweiht. Sie freuten sich aufrichtig, fragten gelegentlich nach Einzelheiten und mischten sich ansonsten nicht ein.
Gerade das mochte Clara Krüger so sehr an ihnen.
Bei der Mutter von Moritz Möller sah die Sache anders aus.
Sophie Engel wohnte am Stadtrand in einem großen Haus, das ihr nach dem Tod ihres Mannes vor sechs Jahren geblieben war.
Das Gebäude war weitläufig und im Grunde solide.
Trotzdem gab es immer wieder etwas, das gemacht werden musste.
Zuerst war es das Dach gewesen.
Dann hatten die Wasserleitungen Ärger bereitet.
Später kam der Hof an die Reihe.
Irgendwie kam Sophie Engel zurecht, doch sie ließ ihren Sohn regelmäßig wissen, dass ihr Geld kaum für all diese Dinge ausreiche.
Zwei Tage, nachdem Clara Krüger Moritz Möller von der Sonderzahlung erzählt hatte, rief seine Mutter an.
Clara Krüger befand sich im anderen Zimmer und bekam vom Gespräch selbst nichts mit.
Es zog sich ungewöhnlich lange hin.
Als Moritz Möller schließlich in die Küche trat, lag etwas Seltsames in seinem Gesicht.
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