Die folgenden Tage wurden für Luisa zu einem einzigen Strudel. Moritz beantragte offiziell einen Vaterschaftstest — nicht, weil er zweifelte, sondern um seine Rechte rechtlich abzusichern. Elias drängte sie immer wieder, möglichst schnell nach Augsburg zurückzukehren, und ließ dabei mehr als einmal durchblicken, dass er bereit sei, ihre Beziehung ernsthaft weiterzuführen. Tante Wilma erholte sich langsam und redete ihrer Nichte ins Gewissen: Sofie brauche einen Vater, und Luisa selbst brauche Vergebung in ihrem Herzen.
Und dann tauchte Theresa auf.
Luisa begegnete ihr zufällig im Supermarkt. Die frühere Freundin hatte sich kaum verändert. Nur ihr Gesicht wirkte härter, die Bewegungen fahriger, als stünde sie ständig unter Strom.
— Es stimmt also, dass du wieder da bist — sagte Theresa herausfordernd und musterte sie von oben bis unten. — Und Moritz’ Kind hast du auch gleich mitgebracht. Du hattest wirklich Glück.
— Ich habe dir nichts zu sagen — erwiderte Luisa und wollte an ihr vorbeigehen.
— Aber ich dir — Theresa packte sie am Arm. — Er war immer in mich verliebt. Schon an der Uni. Dann kamst du: so brav, so passend, so bequem. Er hat dich geheiratet, weil alle es von ihm erwartet haben. Geliebt hat er immer mich.
— Lass mich los.
— Weißt du, warum er nicht bei mir geblieben ist, nachdem du verschwunden warst? Weil ich ihn verlassen habe! Er war erbärmlich. Ständig hat er deinen Namen gesagt, ständig hat er um dich gejammert. Irgendwann hatte ich genug davon.
Luisa riss ihren Arm frei.
— Und deshalb musst du mir das jetzt erzählen? Nach fünf Jahren? Theresa, fünf Jahre sind vergangen. Er ist mit einer anderen Frau verheiratet.
— Und du führst dein Leben. Ich meines. Was willst du also noch von mir?
— Nur, dass du endlich begreifst: Er liebt dich nicht. Er hat dich nie geliebt. Ihm geht es einzig um das Kind.
In dieser Nacht saß Luisa lange an Sofias Bett. Das Mädchen schlief tief, das Gesicht entspannt, und in seinen Zügen lag so viel von Moritz, dass Luisa kaum hinsehen konnte, ohne dass ihr Herz sich zusammenzog. Alles war durcheinandergeraten. Sie hatte geglaubt, sie könne herkommen, Wilma Tante beistehen und danach wieder in ihre kleine, geschützte Welt zurückkehren. Doch die Vergangenheit war nicht leise angeklopft — sie war mitten in ihr gegenwärtiges Leben gestürzt und verlangte Antworten.
Ihr Handy vibrierte beinahe lautlos. Eine Nachricht von Elias.
„Egal, wie du dich entscheidest: Ich bin da. Ich liebe dich und Sofia. Wir schaffen das gemeinsam.“
Diese schlichten Sätze wirkten, als hätte jemand ein Fenster geöffnet. Plötzlich wurde es in ihrem Kopf klarer. Die richtige Entscheidung war nicht die, die aus Schmerz oder Wut entstand. Sondern die, die das Herz trotz allem als wahr erkannte.
Am nächsten Tag stand Luisa in Wilmas Wohnzimmer und ließ den Blick über die Anwesenden wandern. Moritz war da, neben ihm Johanna. Elias saß etwas abseits, ruhig, aber wachsam. Rosa hatte die Hände fest ineinander verschränkt. Und zur Verwunderung aller war auch Theresa erschienen — weil Luisa sie selbst darum gebeten hatte.