Eine Woche später fuhren Luisa und Sofia nach Augsburg zurück. Am Bahnsteig standen Moritz, Johanna, Rosa und Elias, der noch ein paar Tage geblieben war, um so lange wie möglich bei ihnen zu sein.
— Tschüss, Papa! — rief Sofia aus dem Zugfenster und winkte heftig. — Wir sehen uns bald wieder!
Moritz lächelte, doch seine Augen glänzten. In den vier Tagen seit der ersten Begegnung hatte er seine Tochter mit jeder Faser seines Herzens ins Leben gelassen. Und Sofia hatte ihn mit jener erstaunlichen Selbstverständlichkeit angenommen, zu der nur Kinder fähig sind.
Moritz trat näher ans Fenster.
— Luisa … danke.
Sie schüttelte leicht den Kopf.
— Dafür musst du dich nicht bedanken. Ich tue nur das, was ich schon vor fünf Jahren hätte tun sollen.
— Damals hast du getan, was dir richtig erschien — sagte er leise. — Und heute verstehe ich das.
Der Zug setzte sich langsam in Bewegung. Sofia winkte weiter, in der anderen Hand hielt sie ihre neue Puppe fest — ein Geschenk von ihrem Vater.
Luisa lehnte sich in den Sitz zurück und schloss für einen Moment die Augen. Sie wusste nicht, was die Zukunft bringen würde. Aber zum ersten Mal seit langer Zeit hatte sie das Gefühl, dass die Dinge ihren Platz fanden. Manchmal musste man zur Vergangenheit zurückkehren, um weitergehen zu können. Manchmal war Vergebung nicht in erster Linie ein Geschenk an den anderen, sondern an sich selbst.
Und manchmal war die Wahrheit, so bitter sie auch schmeckte, der einzige Weg zu einem wirklichen Glück.