Und dieses Wort bedeutete bei ihr seltsamerweise immer nur eines: Es gehörte ihrem Sohn.

Der großartige Plan

Später stellte sich heraus, dass die Idee schon vor einigen Monaten entstanden war.

Michael Otto, Lenas Mann, war finanziell ins Schlingern geraten. Schlechte Investitionen. Laufende Kredite. Schulden. Mahnungen. Überfällige Zahlungen.

Doch anstatt seiner Frau offen zu sagen, was los war, hatte er beschlossen, sich lieber an seine Mutter zu wenden.

Wilma fand erstaunlich schnell eine Lösung.

Die Wohnung der Schwiegertochter verkaufen.

Mit dem Geld die Schulden begleichen.

Und den Rest in ein neues Geschäft ihres Sohnes stecken.

In ihren Augen war das ein geradezu brillanter Plan.

Es gab nur ein winziges Detail, das sie störte.

Die Wohnung gehörte nicht ihr.

Die Fortsetzung

Lena bat die Kaufinteressenten, einen Moment im Treppenhaus zu warten. Sie entschuldigte sich ruhig bei ihnen, schob sie mit höflicher Bestimmtheit hinaus und zog dann die Tür ins Schloss.

Nun standen im Flur nur noch drei Menschen: Lena, ihre Schwiegermutter und der Makler.

Der Makler sah aus wie jemand, der in diesem Augenblick jeden Ort der Welt diesem Hausflur vorgezogen hätte.

„Vielleicht erklären Sie mir das Ganze jetzt noch einmal von Anfang an?“, fragte Lena mit erstaunlich ruhiger Stimme.

Wilma Schäfer richtete sich stolz auf, als hätte sie nichts zu verbergen.

„Michael weiß über alles Bescheid.“

„Ausgezeichnet“, sagte Lena. „Dann prüfen wir das gleich.“

Der Anruf

Michael nahm fast sofort ab.

„Lena, hallo.“

„Deine Mutter steht hier bei uns. Zusammen mit einem Makler.“

Am anderen Ende der Leitung entstand eine Pause.

Sie dauerte zu lange.

Und sie sagte zu viel.

„Äh… sie ist gekommen?“

„Ja“, antwortete Lena. „Um meine Wohnung zu verkaufen.“

Wieder Schweigen.

Genau in diesem Moment begriff Lena das Bitterste an der ganzen Sache.

Er hatte tatsächlich davon gewusst.

Der Verrat

Der Schmerz kam nicht sofort.

Zuerst war da nur blankes Erstaunen.

Dann breitete sich Enttäuschung aus.

Und erst danach traf sie die Erkenntnis mit voller Wucht.

Der Mensch, dem sie mehr als zehn Jahre lang vertraut hatte, hatte hinter ihrem Rücken über den Verkauf ihrer Wohnung gesprochen.

Ohne sie zu fragen.

Ohne sie vorzuwarnen.

Ohne sich mit ihr abzustimmen.

Als ginge es um einen ausgedienten Schrank.

Und nicht um ihr Zuhause.

Die Unterlagen

Nach diesem Gespräch ging Lena Huber wortlos in ihr Arbeitszimmer.

Wenig später kam sie mit einem dicken Ordner zurück.

Es war genau jener Ordner, den sie immer getrennt von allen anderen Papieren aufbewahrt hatte.

— Hier ist der Eigentumsnachweis.

Hier der Kaufvertrag.

Hier der aktuelle Auszug aus dem Register.

Und hier die Bestätigung, dass alles bezahlt wurde.

Sorgfältig legte sie ein Dokument nach dem anderen auf den Tisch.

Dann hob sie den Blick.

— Und jetzt zeigen Sie mir bitte irgendein einziges Papier, aus dem hervorgeht, dass Sie berechtigt sind, diese Wohnung zu verkaufen.

Ihre Schwiegermutter lief dunkelrot an.

Dann wurde sie kreidebleich.

Im nächsten Augenblick stieg ihr wieder die Röte ins Gesicht.