Geschichte
„Warum musst du ihr überhaupt einen Anlass geben? Nachher nörgelt sie wieder den ganzen Abend.“ sagte Dominik von der Tür, Johanna stellte wortlos den Teller in die Spüle

„Warum musst du ihr überhaupt einen Anlass geben? Nachher nörgelt sie wieder den ganzen Abend.“ sagte Dominik von der Tür, Johanna stellte wortlos den Teller in die Spüle

Dieses fremde Zuhause fühlt sich demütigend ungerecht an.

❦
475 Leser 7 Seiten ~4 Min.

„Du hast das Handtuch schon wieder an die falsche Stelle gehängt. Mama hat doch ausdrücklich gesagt, es gehört nur auf die Stange an der Heizung.“

Johanna stand barfuß auf den warmen Fliesen und zuckte kaum merklich zusammen. In den Händen hielt sie noch einen Teller mit den Resten vom Abendessen, als sie sich zu ihrem Mann umdrehte.

„Dominik, ich habe mir nur die Hände abgetrocknet. Es ist nicht einmal richtig feucht.“

„Und wenn schon?“ Er ging an ihr vorbei und streifte dabei leicht ihre Schulter. „Warum musst du ihr überhaupt einen Anlass geben? Nachher nörgelt sie wieder den ganzen Abend.“

Ohne ein weiteres Wort stellte Johanna den Teller in die Spüle. Draußen brummte die Klimaanlage der Nachbarn, in der Küche tickte die Wanduhr mit den abgeplatzten Ziffern. Wieder spürte sie es: Das hier war nicht ihr Zuhause.

Seit fünf Jahren lebten sie nun in dieser Wohnung — in der Wohnung seiner Eltern, zusammen mit seinen Eltern. Und an fast jedem Abend kam es ihr vor, als sei sie nur eine geduldete Untermieterin auf Zeit. Alles gehörte jemand anderem: die Schränke, die Stühle, die Vorhänge. Sogar der Spiegel im Bad schien ihr ein fremdes Gesicht zurückzuwerfen.

„Und räum bitte noch Finns Spielsachen aus dem Wohnzimmer“, sagte Dominik bereits von der Tür aus. „Papa hat gemeint, auf dem Teppich sei ein Fleck. Wahrscheinlich hat Finn Saft verschüttet.“

Johanna antwortete nicht. Sie hob eine Stoffwindel und ein kleines Auto auf und ging ins Kinderzimmer. Finn saß auf dem Boden und baute konzentriert irgendetwas aus seinen Bausteinen.

„Mama, musst du morgen arbeiten?“

„Nein, morgen nicht. Wir bleiben erst hier. Später fahren wir zu Oma in den Kleingarten.“

Finn verzog das Gesicht.

„Können wir nicht einfach nicht hinfahren? Ich will mit dir Zeichentrick schauen.“

Johanna lächelte, doch ihr Lächeln blieb müde.

„Wir haben versprochen, dass wir kommen. Dort gibt es Erdbeeren, und Papa macht den Grill an.“

Der Junge schwieg und setzte weiter Stein auf Stein. Johanna aber wusste bereits, was bevorstand. Es würde wieder von vorn beginnen.

Am nächsten Morgen herrschte in der Wohnung ein heilloses Durcheinander. Dominik wühlte gereizt in der Schublade mit den Schlüsseln.

„Wer war an meinen Sachen? Wo ist der Bund mit dem grünen Anhänger?“

Finn rannte barfuß durch den Flur und schleppte seine Turnschuhe erst ins Bad, dann wieder zurück.

„Mama, wo ist mein rotes Auto? Ohne das fahre ich nicht mit!“

Johanna hielt eine Kuchenschachtel an sich gedrückt, die sie in eine Tüte gewickelt hatte.

„Wir finden alles. Beeilt euch bitte, sonst kommen wir zu spät.“

Schließlich entdeckte Dominik den Schlüsselbund, warf die Wohnungstür verärgert ins Schloss und ging zum Aufzug. Johanna sperrte hinter ihnen ab und blieb einen Augenblick mit dem Blick an der Fußmatte hängen.

Nicht ihre. Nicht einmal diese Matte gehörte ihr, dachte sie.

Im Auto sagte lange Zeit niemand etwas. Nur leise Musik lief im Hintergrund, und das Rauschen der Straße füllte die Stille. Nach einer Weile fragte Johanna vorsichtig:

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