Sabine dagegen blieb sitzen und wartete verzweifelt darauf, dass Lukas endlich ein Lebenszeichen von sich gab. Weggehen kam für sie nicht infrage. Fortzugehen hätte bedeutet, auf das Geld zu verzichten, mit dem sie fest gerechnet hatte, als sie sich auf den Weg hierher gemacht hatte.

— Also, wie machen wir es jetzt, Sophie? — fragte sie schließlich mit gepresster Stimme. — Gibst du mir die zweihundert Euro nicht, die Lukas mir versprochen hat? Wir haben doch erst vor ein paar Tagen darüber gesprochen. Ich habe deswegen bereits alles vorbereitet.

den Handwerker angerufen, damit er vorbeikommt und sich meinen Kühlschrank ansieht. Ohne Kühlschrank ist es eine Katastrophe, bei dieser Hitze erst recht. Das alte Ding gibt keinen Mucks mehr von sich. Vielleicht muss ich sogar einen neuen kaufen«, versuchte Sabine, doch noch an ihr Ziel zu kommen.

»Meinen Sie das im Ernst? Was für ein Geld denn? Warum sollte ich Ihnen überhaupt etwas geben? Ich wäre selbst froh, wenn mich im Moment jemand unterstützen würde. Ich stehe mit zwei Kindern da und muss uns drei von einem einzigen Gehalt durchbringen. Und wer weiß, wann ich von Lukas überhaupt Unterhalt sehe. Falls ich je welchen bekomme«, stieß Sophie gereizt hervor und schleuderte die kleine Schaufel, mit der sie eben noch Dünger zu den Pflanzen gegeben hatte, wütend beiseite.

»Unterhalt? Sophie, bitte, fang nicht schon wieder damit an! Ich sage dir doch: Dein Mann kommt zurück. Er kommt ganz bestimmt nach Hause, du wirst schon sehen. Von Scheidung kann überhaupt keine Rede sein. Wenn ihr euch wieder vertragt, wirst du noch selbst über das lachen, was du jetzt sagst. Aber für mich ist dieses Geld wirklich wichtig. Ihr habt euch ja ausgerechnet im unpassendsten Augenblick zerstritten, schlimmer hätte es gar nicht kommen können! Hättet ihr mit eurem Krach nicht wenigstens noch ein bisschen warten können?«, platzte es aus Sabine heraus, die nun endgültig die Beherrschung verlor.

»Hören Sie sich eigentlich selbst zu? Sollten wir unseren Streit etwa nach Ihrem Terminkalender ausrichten? Verzeihen Sie, dass Sie mir keinen Zeitplan ausgehändigt haben, dann ist es eben passiert, wie es passiert ist. Und wissen Sie was? Ich habe genug. Gehen Sie bitte. Und erwähnen Sie dieses Geld in meiner Gegenwart nie wieder. Damit sind Sie hier an der falschen Adresse, von mir bekommen Sie keine Hilfe.«

Genau in diesem Moment schrillte Sabines Handy los. Sie warf einen Blick aufs Display und rief sofort erleichtert:

»Ach, da ist ja mein Lukas! Er ruft an! Jetzt klärt sich alles. Hallo, mein Junge, wo steckst du? Was ist passiert? Ich bin bei euch, und was muss ich mir hier anhören? Sophie erzählt mir ganz entsetzliche Dinge!«, sprudelte sie los, ohne ihrem Sohn überhaupt die Möglichkeit zu geben, ein Wort dazwischenzuschieben.

Irgendwie gelang es Lukas schließlich doch, sich durch den Redeschwall seiner Mutter zu kämpfen. Sabine verstummte abrupt und lauschte.

»Du bist weg? Wohin denn weg? Zu wem? Was soll das heißen? Welche Charlotte, mein Sohn? Du stößt mir ein Messer ins Herz! Und die Kinder? Wie sollen die ohne dich zurechtkommen? Und das Haus? Du hast doch so viel Kraft, Zeit und Geld hineingesteckt!«, überschüttete die fassungslos gewordene Sabine ihn mit Fragen.