Noch einige Minuten sprach sie mit Lukas, dann ließ sie das Telefon sinken.
»Er behauptet, er habe sich in irgendeine Charlotte verliebt… Was für eine Charlotte soll das sein, wo kommt die plötzlich her? Aber ich glaube ihm kein Wort, Sophie. Er will dich nur reizen. Er weiß, dass ich hier bei dir bin, deshalb sagt er so etwas, damit du nicht zu früh hinter seinen Plan kommst. Lukas kann doch nicht einfach alles aufgeben, wofür er zehn Jahre lang gelebt und gearbeitet hat. Und die Kinder schon gar nicht. Das kann er nicht! Das ist völlig unmöglich. Da hast du recht, Sophie. Das Ganze ist reiner Wahnsinn.«
»Sind Sie jetzt fertig?«, fragte Sophie und sah ihre Schwiegermutter mit einem spöttischen Lächeln an.
»Nein, fertig bin ich noch lange nicht. Überleg doch selbst: Wenn du jetzt glaubst, mein Sohn habe dich wirklich verlassen, dann kommst du womöglich auf irgendwelche Dummheiten… auf Dinge, die man später nicht mehr rückgängig machen kann.«
»Wie bitte?!«, entfuhr es Sophie. »Wovon reden Sie überhaupt? Etwas Schlimmeres als das, was Ihr Sohn getan hat, kann ich mir kaum vorstellen.«
»Ich weiß sehr gut, wovon ich rede, Sophie! Ich habe lange genug gelebt und schon einiges gesehen. Lukas kommt in ein paar Tagen zurück, spätestens in einer Woche. Und dann wartet hier niemand mehr auf ihn. Zu spät! Sein Platz ist besetzt!«
»Ach ja?«, fragte Sophie bissig, denn sie begriff sehr wohl, worauf Sabine hinauswollte.
»Ja, genau das kann passieren. Aus Trotz gegen Lukas holst du dir irgendeinen dahergelaufenen Kerl ins Haus. Der wird natürlich begeistert sein: ein fertiges Haus, alles da, was man zum Leben braucht, und dazu noch eine junge, hübsche Frau als Hausherrin. Und wohin soll mein armer Sohn dann zurückkehren?«
»Und was schlagen Sie vor?«, fragte Sophie, mehr verblüfft als verärgert. Mit einer solchen Reaktion ihrer Schwiegermutter hatte sie nicht gerechnet. »Soll ich mich also einfach hinsetzen und warten, bis Ihr verantwortungsloser Sohn sich irgendwann wieder an seine Familie erinnert?«
»Habe ich Sie richtig verstanden? Soll ich ihn unter Tränen erwarten, bis er sich bequemt, nach Hause zurückzukommen?«
»Ganz genau. Du sollst warten. Er wird zurückkehren, da bin ich sicher. Ich ziehe zu euch, bleibe hier im Haus und passe auf dich auf. Mein Sohn wird mir dafür später noch dankbar sein.«
»Auf mich aufpassen?« Sophie starrte sie fassungslos an. »Je länger ich Ihnen zuhöre, Sabine, desto mehr glaube ich, dass Sie dringend ärztliche Hilfe brauchen. Sie sind kein Wachhund, und ich bin kein Schatzkästchen, das man bewachen muss.«
»Trotzdem…«
»Nein!«, unterbrach Sophie sie scharf. »Ich habe gesagt: Nein. Sie werden hier nicht wohnen. Verlassen Sie mein Grundstück!«
Sie schrie so laut, dass sie selbst für einen Augenblick erschrak. Der Schmerz über Lukas’ Verrat saß noch viel zu frisch, und nun musste sie sich auch noch diese absurde Vorstellung anhören. Sie bewachen! Lächerlicher ging es kaum. Wenn sie es jemandem erzählte, würde man ihr vermutlich nicht glauben. Oder war das alles nur ein schlecht gespieltes Theater, damit Sabine sich am Ende doch noch das Geld sichern konnte, das Lukas ihr versprochen hatte?