Geschichte
„Nur über meine Leiche!!!“ — fuhr Emilia Peters hoch, als die Schwiegermutter verlangte, die Wohnung zu verkaufen, um fremde Schulden zu begleichen

„Nur über meine Leiche!!!“ — fuhr Emilia Peters hoch, als die Schwiegermutter verlangte, die Wohnung zu verkaufen, um fremde Schulden zu begleichen

Diese selbstgerechte Beharrlichkeit ist schmerzhaft und ungerecht.

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360 Leser 6 Seiten ~3 Min.

— Nur über meine Leiche!!! — fuhr Emilia Peters hoch, als sie erfuhr, dass ihre Schwiegermutter allen Ernstes von ihr verlangte, die Wohnung zu verkaufen, um fremde Schulden zu begleichen.

Stefanie Winter empfing ihren Sohn an der Tür mit einem Lächeln, als sei er nicht zu einem weiteren dieser „ernsten Gespräche“ gekommen, sondern um ihr zum Geburtstag zu gratulieren. Mit ihren sechzig Jahren, im Hausmantel und voller unverwüstlicher Energie, wirkte sie wie ein Mensch, der sich durch nichts aus der Bahn werfen ließ. Aus ihr strahlte jene mütterliche Selbstgewissheit, die jeden Widerspruch einfach beiseitefegen wollte.

— Ach, Lukas Sommer, stell dich doch nicht so an! Ihr zieht eben zu mir! — Sie machte eine wegwerfende Handbewegung, als gehe es bloß darum, einen Hamster in einen anderen Käfig zu setzen. — Ich sehe darin überhaupt kein Problem!

Lukas Sommer ließ sich auf die abgewetzte Sofakante sinken und massierte sich die Schläfen. Gott, wie wenig er Lust auf dieses Gespräch hatte. Schon jetzt begann sein Herz in diesem vertrauten, unruhigen Takt zu pochen.

— Meinst du das ernst, Mama? — Sein Blick glitt durch die enge Einzimmerwohnung, in der jeder Quadratmeter von alten Möbeln und Erinnerungen besetzt war. — Wie sollen wir denn hier alle Platz finden? Du hast nur ein Zimmer, Emilia Peters hat zwei. Dann zieh doch lieber du zu uns.

Das Gesicht von Stefanie Winter veränderte sich augenblicklich. Das Lächeln verschwand, als hätte jemand es mit einem Radiergummi ausgelöscht.

— Ich zu euch? — In ihrer Stimme lag plötzlich ein metallischer Klang. — Hörst du überhaupt, was du da sagst, mein Junge? Und meine Wohnung soll ich verkaufen? All die Erinnerungen an deine Kindheit? Unser ganzes gemeinsames Leben? Niemals!

Da ist es wieder, dachte Lukas Sommer. Genau dieser Ton. Er kannte ihn. Er wusste, wohin das führte. Und trotzdem hatte er jedes Mal gehofft, diesmal könne es anders laufen.

— Aber es bleibt doch eine Einzimmerwohnung, Mama! — Er bemühte sich, ruhig und vernünftig zu klingen. — Wie sollen wir hier zu dritt leben? Es gibt keinen Rückzugsort, kein eigenes Zimmer, gar nichts. Für mich wäre das schon kaum auszuhalten, und Emilia Peters würde so etwas erst recht entschieden ablehnen.

Stefanie Winter stieß verächtlich die Luft aus. Dieser Laut war Lukas Sommer nur allzu vertraut und tat beinahe körperlich weh.

— Was Emilia Peters darüber denkt, interessiert mich nicht, Lukas Sommer! — Sie erhob sich und begann nervös, die Tischdecke zurechtzuziehen. — Als ich klein war, haben wir hier mit deinen Großeltern und meinen drei Brüdern gewohnt. Und weißt du was? Es ging auch! Aber heute? Heute spielt sich jede auf wie eine Prinzessin. „Sie lehnt das entschieden ab!“ Wie vornehm!

Zweiter Teil. Tanz auf dem Minenfeld

Lukas Sommer spürte, wie ihm das Blut in den Kopf stieg. Wieder dasselbe Muster. Immer waren die anderen schuld, immer mussten andere die Folgen tragen.

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