— Hier kann man doch nicht einmal zu zweit normal leben, geschweige denn als Familie! — Die Worte brachen aus ihm heraus, obwohl er wusste, dass er damit nur Öl ins Feuer goss. — Ganz davon abgesehen, dass Emilia Peters und ich irgendwann ein Kind wollen. Aber du…

— Ach, bitte! — Stefanie Winter drehte sich mit dem ganzen Körper zu ihm um, und in ihren Augen flackerte jenes alte Feuer auf, das Lukas Sommer seit seiner Kindheit kannte. — Damit habe ich nichts zu tun! Wenn ihr ein Kind wollt, bekommt ihr eins. Wenn nicht, dann wolltet ihr es eben nicht stark genug. Schiebt nicht alles auf mich und schon gar nicht auf meine Wohnung!

Wie immer, dachte Lukas Sommer bitter. Alles ist angeblich einfach. Für alles findet sich eine Lösung. Nur nicht für diejenigen, die am Ende darin leben müssen.

— Vielleicht hättest du die Wohnung nicht als Sicherheit einsetzen sollen, als du diesen riesigen Kredit aufgenommen hast, nur um die Schulden deines damaligen Freundes zu bezahlen, der dich danach verlassen hat, kaum dass alles erledigt war? — Die Sätze rutschten ihm heraus, scharf und splitternd wie Glas.

Für einen Moment lag Stille im Raum. Schwer, zäh, klebrig. Stefanie Winter wurde zuerst kreidebleich, dann stieg ihr die Röte ins Gesicht.

— Du willst deiner Mutter jetzt also erklären, wie man richtig lebt? — zischte sie, und Lukas Sommer wusste sofort, dass er eine Grenze überschritten hatte. — Kümmere dich lieber erst einmal um dein eigenes Leben! Du hast irgendeine Frau geheiratet, irgendeine Sängerin, der ihre Arbeit wichtiger ist als Familie. Wichtiger als unsere Sorgen! Und ausgerechnet du willst mir sagen, ich würde falsch leben und falsche Entscheidungen treffen?

Bitte nicht, schoss es Lukas Sommer durch den Kopf. Jetzt fängt sie wieder an, Emilia Peters in den Dreck zu ziehen.

Dritter Teil. Abwehr und Angriff

— Warum musst du schon wieder auf meine Frau losgehen, Mama? — Lukas Sommer stand auf.

Seine Hände verkrampften sich zu Fäusten. Jedes einzelne Wort, das gegen Emilia Peters gerichtet war, traf ihn wie ein Peitschenhieb.

— Sie hat nie ein schlechtes Wort über dich verloren! — Lukas Sommer sprach nun schärfer. — Kein einziges Mal hat sie abfällig reagiert, wenn ich von dir erzählt habe! Kannst du es nicht endlich lassen? Zieh sie nicht immer wieder da hinein und hör auf, deinen ganzen Gift auf sie zu schütten!

— Wenn ich wirklich aufhören muss, dann werde ich schon aufhören, keine Sorge! — Stefanie Winter verzog den Mund zu einem kühlen Lächeln. — Aber solange sie sich benimmt, als sei ihre Arbeit wichtiger als unsere Familie, bekommt sie von mir keinen Respekt. Nicht einen Funken!

— Und was müsste sie tun, um sich diesen Respekt zu verdienen? — Lukas spürte, wie sich seine Kehle zuschnürte. — Vor dir auf Knien herumrutschen, damit du ihr erlaubst, wie sie zu leben hat? Oder soll sie gleich bei dir einziehen und deine Dienstmagd spielen, Mama? Lass endlich diesen alten Unsinn los! Nur weil Oma dir früher keine Luft zum Atmen gelassen hat, gibt dir das nicht das Recht, meiner Frau das Leben zur Hölle zu machen!