— Nicht geschenkt, versteht sich.
Nur als Darlehen.
— Hat Laura dich darum gebeten? fragte ich.
Wieder Stille.
— Nicht direkt.
— Was heißt „nicht direkt“?
— Sie hat nur erwähnt, dass die Wohnung, die ihnen gefällt, über ihrem Budget liegt.
— Das ist etwas völlig anderes, als von uns fünfzigtausend Euro zu verlangen.
— Ihr seid Familie.
Andreas fuhr sich mit der Hand übers Gesicht.
— Mama, hast du Laura erzählt, dass wir unsere Wohnung verkaufen würden?
— Noch nicht.
— Dann hast du dir diese ganze Geschichte also allein ausgedacht.
— Irgendjemand muss schließlich nach Lösungen suchen.
— Für ein Problem, bei dem dich niemand um eine Lösung gebeten hat.
Franziskas Ton wurde schärfer.
— Andreas, ich verstehe nicht, weshalb du dich so aufführst. Die Wohnung gehört doch auch dir.
Ich sah meinen Mann an.
Er sah zurück.
Vor vier Jahren hatten wir diese Wohnung gemeinsam gekauft. Beide Namen standen im Grundbuch. Wir hatten beide Eigenkapital eingebracht. Und die Kreditraten zahlten wir ebenfalls zusammen.
— Eben, sagte Andreas. Sie gehört uns. Nicht dir.
— Ich bin deine Mutter.
— Das gibt dir nicht das Recht, in unserer Abwesenheit in unsere Wohnung zu gehen und sie Fremden zu zeigen.
— Ich hatte einen Schlüssel.
— Für Notfälle.
— Das habt ihr nie gesagt.
Jetzt mischte ich mich ein.
— Franziska, wofür, glauben Sie, haben wir Ihnen diesen Schlüssel gegeben?
— Damit ich hineinkomme, wenn es nötig ist.
— Und welcher Notfall lag gestern vor?
Sie schwieg.
— Ein möglicher Wohnungsverkauf, von dem wir selbst noch nichts wussten?
— Ich wollte doch nur herausfinden, was sie wert ist.
— Dann hätten Sie uns fragen können.
— Ich wusste bereits, was du sagen würdest.
— Richtig. Nein.
Für einen Moment sagte niemand etwas.
Andreas nahm wieder sein Handy in die Hand.
— Mama, du gibst uns den Schlüssel zurück.
— Was?
— Unseren Wohnungsschlüssel.
— Mach dich nicht lächerlich.
— Ich mache mich nicht lächerlich.
— Nach allem, was ich für euch tue, willst du mir jetzt den Schlüssel wegnehmen?
— Nachdem du ohne unsere Erlaubnis mit einer fremden Frau in unsere Wohnung gegangen bist? Ja.
Franziska blieb stumm.
Dann sagte sie:
— Johanna hetzt dich gegen mich auf.
Ich sah, wie Andreas’ Gesicht hart wurde.
— Nein. Du bist ohne ein Wort in meine Wohnung gegangen und hast behauptet, ich hätte davon gewusst.
— Ich wollte doch nur…
— Helfen. Ja, das hast du schon gesagt.
Er holte tief Luft.
— Bring den Schlüssel heute Nachmittag vorbei.
— Ich fahre nicht wegen eines einzigen Schlüssels durch die Gegend.
— Dann kommen wir ihn holen.
Er legte auf.
Ich sah ihn an.
— Wir könnten das Schloss austauschen.
— Das werden wir sowieso tun.
Um sechs Uhr abends standen wir bei Franziska und Thomas vor der Tür.
Thomas öffnete. Als er unsere Gesichter sah, zog er die Brauen zusammen.
— Was ist passiert?
Aus dem Wohnzimmer rief Franziska:
— Nichts. Sie machen aus einer Kleinigkeit ein Drama.
Thomas sah uns fragend an.
— Aus welcher Kleinigkeit?
Andreas trat ein.
— Mama hat gestern eine Immobilienmaklerin in unsere Wohnung gelassen, während wir nicht da waren.
Thomas blinzelte.