— Was?

Franziska erschien im Flur.

— Nicht, weil wir sie verkaufen wollten.

— Sondern? fragte ich.

— Um zu wissen, was sie wert sein könnte, falls ihr sie irgendwann einmal verkaufen möchtet.

Thomas drehte sich zu ihr.

— Und warum musst du das wissen?

— Weil Laura Unterstützung braucht.

In seinem Gesicht war zu sehen, dass er es sofort begriff. Dann schloss er kurz die Augen.

— Franziska…

— Was denn?

— Schon wieder?

Dieser Satz ließ mich sofort aufhorchen.

— Schon wieder?

Franziska warf ihm einen vernichtenden Blick zu.

— Thomas.

Doch Thomas wirkte, als sei seine Geduld endgültig aufgebraucht.

— Vor zwei Wochen hat sie bei einem Autohaus angerufen und gefragt, wie viel sie für euer Auto zahlen würden.

Andreas erstarrte.

— Für welches Auto?

Thomas sah zu mir.

— Für Johannas.

Langsam wandte ich den Kopf zu Franziska.

— Sie haben versucht, mein Auto schätzen zu lassen?

— Ich habe mich nur erkundigt.

— Warum?

Franziska presste die Lippen aufeinander.

Also beantwortete ich die Frage selbst.

— Um Laura zu helfen.

Thomas nickte.

— Sie meinte, weil Johanna mehrere Tage in der Woche von zu Hause aus arbeitet, würdet ihr vielleicht auch mit einem einzigen Wagen auskommen.

Ich konnte nicht anders.

Ich lachte auf.

— Beeindruckend.

Franziska verschränkte die Arme.

— Was ist denn falsch daran, an die Familie zu denken?

— Nichts, antwortete ich. Merkwürdig ist nur, dass Ihre Hilfe für die Familie immer aus unseren Sachen bestehen soll.

Thomas senkte den Blick, offenbar um ein Grinsen zu verbergen.

Franziska fuhr zu ihm herum.

— Findest du das etwa auch komisch?

— Nein, sagte er ruhig. Ich finde, Johanna hat recht.

— Natürlich. Auf einmal seid ihr alle gegen mich.

Andreas streckte die Hand aus.

— Den Schlüssel.

Franziska blieb stehen, als hätte sie ihn nicht verstanden.

— Andreas.

— Mama. Den Schlüssel.

— Ich bin deine Mutter.

— Und das ist unser Zuhause.

Für ein paar Sekunden sahen sie einander nur an.

Dann drehte Franziska sich wortlos um, ging zur Kommode im Flur und zog eine Schublade auf. Sie griff hinein, nahm einen Schlüssel heraus und legte ihn Andreas auf die ausgestreckte Handfläche.

— Ich hoffe, ihr seid jetzt zufrieden.

Andreas sah sie an.

— Nein. Ich bin enttäuscht.

Darauf wusste Franziska nichts mehr zu sagen.

Zehn Minuten später gingen wir.

Am nächsten Morgen rief ich einen Schlüsseldienst an. Franziska hatte den Schlüssel zwar zurückgegeben, aber keiner von uns konnte wissen, ob sie nicht irgendwann weitere Kopien hatte machen lassen.

Um halb zwölf war unsere Wohnungstür mit einem neuen Schloss gesichert.

Noch am selben Nachmittag geschah etwas, womit ich nicht gerechnet hatte.

Laura rief mich an.

— Johanna, was ist da los?

— Hat deine Mutter es dir nicht erzählt?

— Sie meinte nur, ihr wärt wütend auf sie, weil sie uns mit der Wohnung helfen wollte.

Ich atmete langsam aus.

— Laura, deine Mutter ist mit einem Immobilienmakler in unsere Wohnung gegangen, damit er einschätzt, wie viel wir beim Verkauf bekommen könnten.

Am anderen Ende blieb es still.

— Was?

— Ihr Plan war, dass wir uns etwas Kleineres kaufen und euch ungefähr fünfzigtausend Euro leihen.