— Sie haben uns eben ziemlich deutlich vorgeworfen, dass wir uns eine Wohnung gekauft haben — sagte meine Mutter kühl.
Lukas fuhr sich mit der Hand über das Gesicht.
— Können wir uns bitte alle einen Moment beruhigen?
Ich sah ihn an.
— Nein.
Er blinzelte überrascht.
— Marlene …
— Seit wann wusstest du davon?
— Wovon?
— Davon, dass deine Mutter mit dem Geld meiner Eltern gerechnet hat.
— Sie hat damit nicht gerechnet.
Theresa schaltete sich wieder ein.
— Ich war lediglich der Meinung, dass man einander innerhalb der Familie hilft.
Mein Vater lachte kurz auf, aber es klang bitter.
— Eine bemerkenswerte Vorstellung von gegenseitiger Hilfe haben Sie.
— Was soll das heißen?
— Das heißt, dass Sie bereits entschieden hatten, wofür ich mein Geld ausgeben sollte, noch bevor Sie mich überhaupt gefragt haben.
Niemand sagte etwas.
Mein Vater sprach weiter:
— Elisabeth und ich haben siebenunddreißig Jahre lang gespart. Wir haben Marlenes Ausbildung bezahlt. Wir haben ihr geholfen, als sie ihr erstes Auto gekauft hat. Und jedes Mal, wenn sie uns gebraucht hat, haben wir ihr gegeben, was wir geben konnten.
Dann sah er Lukas an.
— Aber unsere Tochter hat uns nie darum gebeten, ihretwegen auf unsere eigenen Pläne zu verzichten.
Er wandte den Blick wieder zu Theresa.
— Deshalb sehe ich nicht den geringsten Grund, weshalb wir jetzt für Ihre Tochter unseren Traum aufgeben sollten.
Theresas Gesichtszüge verhärteten sich.
— Mia hätte das Geld zurückgezahlt.
— Darum geht es nicht.
— Sondern worum dann?
Diesmal war es meine Mutter, die antwortete. Ihre Stimme blieb ruhig, aber darunter lag etwas, das keinen Widerspruch mehr duldete.
— Darum, dass Sie offenbar davon ausgehen, unser Geld stünde automatisch auch Ihnen zur Verfügung.
Theresa Schröder öffnete den Mund, doch meine Mutter ließ sie gar nicht erst ausreden.
— Wir haben unser ganzes Leben lang zuerst an andere gedacht. An unsere Kinder. An unsere alten Eltern. An Rechnungen, Verpflichtungen und all die unerwarteten Ausgaben, die immer genau dann kommen, wenn man sie am wenigsten gebrauchen kann. Jetzt möchten wir einfach einmal ein wenig von dem genießen, wofür wir selbst gearbeitet haben.
Ein kleines, beinahe zärtliches Lächeln erschien auf ihrem Gesicht.
— Und dafür müssen wir uns vor niemandem entschuldigen.
Ich sah sie an.
So entschieden hatte ich meine Mutter, glaube ich, noch nie erlebt.
Theresa hingegen schien nicht im Geringsten bereit, nachzugeben.
— Gut. Dann macht eben, was ihr wollt. Aber kommt später bloß nicht angekrochen, wenn ihr Hilfe braucht.
Da musste ich lachen.
Kurz, trocken und voller Unglauben.
— Von wem sollten meine Eltern denn Hilfe erbitten, Theresa?
Sie starrte mich an.
— Was soll das heißen?
— Dass meine Eltern dich noch nie um auch nur einen einzigen Cent gebeten haben.
Sie schwieg.
— Aber wie oft haben Lukas und ich Mia Meier in den letzten drei Jahren aus der Patsche geholfen?
— Das hat damit überhaupt nichts zu tun.
— Doch. Es hat sogar sehr viel damit zu tun.
Lukas warf mir einen nervösen Blick zu.
Er wusste genau, worauf ich hinauswollte.