— Marlene …

— Tausendachthundert Euro für ihr Auto.

Theresa erstarrte.

— Zweitausendfünfhundert Euro, als sie ihre Stelle verloren hatte.

— Sie zahlt das zurück — murmelte Lukas.

Ich ließ mich nicht aufhalten.

— Und sechs Monate Miete, nachdem ihr Ex sie sitzen gelassen hatte.

Meine Mutter sah mich überrascht an.

Davon hatte ich ihr nie erzählt.

— Ihr habt ihre Miete bezahlt? — fragte sie leise.

Ich nickte.

Theresa reagierte sofort.

— Sie hat damals eine schwere Zeit durchgemacht.

— Genau — sagte ich. — Und niemand hat ihr die Hilfe verweigert.

Ich beugte mich ein Stück in Theresas Richtung.

— Aber jemandem beizustehen bedeutet nicht, dass diese Person von da an Anspruch auf das Geld der ganzen Familie hat.

Theresa sagte nichts.

Also sprach ich weiter.

— Meine Eltern haben diese Wohnung gekauft, weil sie es wollten. Sie brauchten dafür weder deine Zustimmung noch meine noch die von Lukas. Und genau so ist es richtig.

Lukas legte beide Hände auf den Tisch.

— Jetzt reicht es.

Ich sah ihn an.

— Nein. Noch nicht.

Er atmete schwer aus.

— Was denn noch?

— Ich will etwas wissen.

Ich blickte Theresa direkt in die Augen.

— Wie viel wolltet ihr von ihnen verlangen?

Sie wandte den Blick ab.

— Es war nur eine Überlegung.

— Wie viel?

Stille breitete sich aus.

Dann sagte Lukas kaum hörbar:

— Dreißigtausend.

Meine Mutter rührte sich nicht.

Mein Vater ebenso wenig.

— Dreißigtausend Euro? — wiederholte ich.

Lukas nickte langsam.

Fassungslos sah ich ihn an.

— Und du wusstest davon?

— Mama hat mit mir darüber gesprochen.

— Und mir hast du kein Wort gesagt?

— Weil ich wusste, wie du reagieren würdest.

Dieser Satz traf mich härter, als ich zugeben wollte.

— Dann war dir also klar, dass es falsch ist.

— Das habe ich nicht gesagt.

— Doch. Genau das hast du gesagt.

Theresa sprang plötzlich auf.

— Schön! Ich verstehe schon. Am Ende bin natürlich wieder ich die Böse.

Meine Mutter betrachtete sie gelassen.

— Das hat niemand behauptet.

— Man muss es auch nicht aussprechen!

Theresa riss ihre Handtasche an sich.

— Ich wollte meiner Tochter nur helfen.

Mein Vater antwortete ruhig:

— Dann helfen Sie ihr.

Theresa hielt inne.

— Wie denn?

— Mit Ihrem eigenen Geld.

Für einen Moment wurde es beinahe vollkommen still.

Theresa sah meinen Vater an.

Dann mich.

Und schließlich Lukas.

Eine Antwort fand sie nicht.

Wenige Minuten später verließ Theresa Schröder unser Haus.

Lukas begleitete sie noch bis zur Haustür.

Als er in die Küche zurückkam, waren meine Eltern bereits aufgestanden.

— Wir fahren jetzt nach Hause, sagte meine Mutter.

Ich trat zu ihr.

— Es tut mir leid.

Sie nahm meine Hand und drückte sie sanft.

— Dafür musst du dich nicht entschuldigen.

Mein Vater lächelte schwach.

— Immerhin wissen wir jetzt endgültig, dass unsere Entscheidung richtig war.

— Wieso?

— Weil offenbar schon jemand einen Verwendungszweck für unser Geld gefunden hätte, wenn wir es noch ein paar Monate länger auf dem Konto gelassen hätten.

Trotz allem musste ich lachen.

Lukas lachte nicht.

Nachdem meine Eltern gegangen waren, blieben wir allein in der Küche zurück.

— Warum hast du mir davon nichts erzählt? fragte ich.