„Ich bin nicht verärgert.“

„Sie haben uns vor wenigen Minuten ziemlich deutlich vorgeworfen, dass wir eine Wohnung gekauft haben“, sagte meine Mutter.

Noah fuhr sich mit der Hand übers Gesicht.

„Könnten sich bitte alle mal ein bisschen beruhigen?“

Ich sah ihn an.

„Nein.“

Er blinzelte irritiert.

„Theresa …“

„Seit wann wusstest du davon?“

„Wovon?“

„Davon, dass deine Mutter mit dem Geld meiner Eltern gerechnet hat.“

„Sie hat nicht damit gerechnet.“

Christina fiel ihm erneut ins Wort.

„Ich war lediglich der Meinung, dass man sich innerhalb einer Familie gegenseitig hilft.“

Mein Vater lachte kurz auf, aber es klang hart und bitter.

„Sie haben eine erstaunliche Vorstellung von gegenseitiger Hilfe.“

„Was soll das heißen?“

„Dass Sie bereits entschieden hatten, wofür ich mein Geld verwenden sollte, bevor Sie mich überhaupt gefragt haben.“

Darauf sagte niemand etwas.

Mein Vater sprach weiter:

„Katharina und ich haben siebenunddreißig Jahre lang gespart. Wir haben Theresas Ausbildung bezahlt. Wir haben ihr geholfen, als sie ihr erstes Auto gekauft hat. Und wenn sie uns brauchte, haben wir ihr gegeben, was wir geben konnten.“

Dann sah er Noah an.

„Aber unsere Tochter hat uns nie gebeten, unsere eigenen Pläne ihretwegen aufzugeben.“

Er wandte den Blick wieder Christina zu.

„Deshalb sehe ich auch nicht ein, warum wir jetzt unseren Traum für Ihre Tochter opfern sollten.“

Christinas Gesicht erstarrte.

„Emma hätte das Geld zurückgezahlt.“

„Nein.“

„Darum geht es überhaupt nicht.“

„Worum denn dann?“

Diesmal war es meine Mutter, die antwortete.

„Darum, dass Sie offenbar davon ausgehen, unser Geld stehe Ihnen selbstverständlich zur Verfügung.“

Christina Engel setzte an, etwas zu erwidern, doch meine Mutter ließ sie gar nicht erst zu Wort kommen.

„Wir haben unser ganzes Leben lang zuerst an andere gedacht. An unsere Kinder. An unsere alten Eltern. An Rechnungen. An Reparaturen, Krankheiten, unerwartete Ausgaben. Und jetzt möchten wir einfach einmal ein kleines Stück von dem genießen, wofür wir selbst gearbeitet haben.“

Ein leises, beinahe sanftes Lächeln erschien auf ihrem Gesicht.

„Und dafür müssen wir uns bei niemandem entschuldigen.“

Ich sah sie an.

Ich glaube, ich hatte meine Mutter noch nie so klar und unbeirrbar sprechen hören.

Christina jedoch machte nicht den Eindruck, als wolle sie nachgeben.

„Gut. Dann macht doch, was ihr wollt. Aber kommt später nicht angekrochen, wenn ihr selbst Hilfe braucht.“

Da musste ich lachen.

Kurz. Trocken. Fast ungläubig.

„Von wem sollten meine Eltern denn bitte Hilfe erbitten, Christina?“

Sie starrte mich an.

„Wie meinst du das?“

„Meine Eltern haben dich in ihrem ganzen Leben noch nie um auch nur einen Cent gebeten.“

Sie schwieg.

„Aber wie oft haben Noah und ich Emma in den letzten drei Jahren unterstützt?“

„Das hat damit nichts zu tun.“

„Doch. Es hat sogar alles damit zu tun.“

Noah warf mir einen angespannten Blick zu.

Er wusste genau, worauf ich hinauswollte.

„Theresa…“

„Tausendachthundert Euro für ihr Auto.“

Christina versteifte sich.

„Zweitausendfünfhundert Euro, nachdem sie ihre Stelle verloren hatte.“