„Sie wird es zurückzahlen“, murmelte Noah.

Ich sprach weiter.

„Und sechs Monate Miete, nachdem ihr Ex sie sitzen ließ.“

Meine Mutter sah mich überrascht an.

Davon hatte ich ihr nie erzählt.

„Ihr habt ihre Miete bezahlt?“, fragte sie leise.

Ich nickte.

Christina reagierte sofort.

„Sie hatte eine schwere Zeit.“

„Genau“, sagte ich. „Und niemand hat ihr die Hilfe verweigert.“

Ich beugte mich ein wenig in Christinas Richtung.

„Aber jemandem beizustehen bedeutet nicht, dass diese Person danach Anspruch auf das Geld der ganzen Familie hat.“

Christina sagte nichts.

Also fuhr ich fort.

„Meine Eltern haben diese Wohnung gekauft, weil sie es wollten. Dafür brauchten sie weder deine Zustimmung noch meine noch Noahs. Und genau so ist es richtig.“

Noah legte beide Hände auf den Tisch.

„Gut. Jetzt reicht es.“

Ich sah ihn an.

„Nein. Noch nicht.“

Er stieß einen müden Seufzer aus.

„Was denn noch?“

„Ich will etwas wissen.“

Ich wandte mich wieder Christina zu und hielt ihrem Blick stand.

„Wie viel wolltet ihr von ihnen haben?“

Sie sah zur Seite.

„Es war nur so eine Überlegung.“

„Wie viel?“

Stille.

Dann sagte Noah sehr leise:

„Dreißigtausend.“

Meine Mutter rührte sich nicht.

Mein Vater ebenfalls nicht.

„Dreißigtausend Euro?“, wiederholte ich.

Noah nickte langsam.

Fassungslos starrte ich ihn an.

„Und du wusstest davon?“

„Mama hat mit mir darüber gesprochen.“

„Und mir hast du nichts gesagt?“

„Weil ich wusste, wie du reagieren würdest.“

Dieser Satz traf mich härter, als ich mir eingestehen wollte.

„Dann wusstest du also, dass es nicht in Ordnung ist.“

„Das habe ich nicht gesagt.“

„Doch. Genau das hast du gesagt.“

Christina sprang plötzlich auf.

„Na schön! Ich verstehe schon. Am Ende bin natürlich wieder ich die Böse.“

Meine Mutter blickte sie ruhig an.

„Das hat niemand behauptet.“

„Das muss auch niemand aussprechen!“

Christina riss ihre Handtasche an sich.

„Ich wollte nur meiner Tochter helfen.“

Mein Vater antwortete ohne jede Schärfe:

„Dann helfen Sie ihr.“

Christina hielt inne.

„Wie denn?“

„Mit Ihrem eigenen Geld.“

Für einen Moment wurde es beinahe vollkommen still.

Christina sah meinen Vater an.

Dann mich.

Dann Noah.

Eine Antwort fand sie nicht.

Einige Minuten später verließ sie unser Haus.

Noah König brachte sie noch bis zur Tür.

Als er zurückkam, standen meine Eltern bereits auf.

„Wir fahren jetzt nach Hause“, sagte meine Mutter.

Ich ging zu ihr hinüber.

„Es tut mir leid.“

Sie nahm meine Hand und drückte sie kurz.

„Dafür musst du dich nicht entschuldigen.“

Mein Vater lächelte schmal.

„Immerhin wissen wir jetzt endgültig, dass unsere Entscheidung richtig war.“

„Warum?“

„Weil offenbar schon jemand einen Plan für unser Geld hatte. Hätten wir es noch ein paar Monate auf dem Konto liegen lassen, wäre uns vielleicht auch gleich erklärt worden, wofür wir es auszugeben haben.“

Trotz allem musste ich lachen.

Noah König lachte nicht.

Nachdem meine Eltern gegangen waren, blieben wir zu zweit in der Küche zurück.

„Weshalb hast du mir davon nichts erzählt?“, fragte ich.

Er setzte sich an den Tisch.

„Ich wollte keinen Streit.“

„Und du dachtest, es gäbe keinen Streit, wenn deine Mutter im Voraus über dreißigtausend Euro verfügt, die meinen Eltern gehören?“