„Nein.“

Sophie fuhr zu ihrem Sohn herum.

„Moritz! Jetzt sag du ihr endlich, dass das vollkommen stur und unsinnig ist.“

Moritz trat zögernd ins Wohnzimmer, als hätte jeder Schritt Gewicht. Sein Blick wanderte von seiner Mutter zu Clara und wieder zurück.

Schließlich sagte er vorsichtig: „Vielleicht lässt sich ja tatsächlich irgendeine Lösung finden.“

Clara sah ihn an.

„Was für eine Lösung?“

„Du leihst Mama das Geld jetzt. Wir verschieben die Hochzeit ein paar Monate. Sobald sie es dir zurückgegeben hat, planen wir weiter.“

Clara starrte ihn an, als hätte sie sich verhört.

„Das nennst du eine Lösung?“

„Warum denn nicht?“

„Weil dabei nur ich etwas aufgebe.“

Moritz schwieg.

Clara erhob sich langsam.

„Acht Monate habe ich auf diese Prämie hingearbeitet. Ich bin länger geblieben, habe Wochenenden geopfert und Dinge abgesagt, auf die ich mich gefreut hatte. Und jetzt soll ich alles einfach abgeben, weil deine Mutter ihren Umbau nicht vernünftig kalkuliert hat?“

„Sie hat sich nicht verkalkuliert“, sagte Moritz leise.

„Das kannst du gar nicht wissen.“

Sophie sprang auf.

„Achte gefälligst darauf, in welchem Ton du mit mir sprichst!“

Clara wandte sich ihr zu.

„Ich spreche höflich mit Ihnen. Aber Höflichkeit bedeutet nicht, dass ich verpflichtet bin, Ihnen mein Geld zu überlassen.“

Sophie lief rot an.

„Du bist geizig.“

Moritz blickte erschrocken zu ihr.

„Mama …“

„Nein“, schnitt Sophie ihm das Wort ab. „Genau das ist sie. Welche Frau lässt denn ihre zukünftige Familie im Stich, wenn Hilfe gebraucht wird?“

Claras Antwort kam leise, aber fest.

„Eine Frau, die Grenzen setzt.“

Sophie verzog spöttisch den Mund.

„Grenzen? Ihr wollt heiraten. Nach der Hochzeit ist ohnehin alles gemeinsam.“

Clara sah Moritz an.

„Siehst du das genauso?“

Er antwortete nicht.

Diese kurze Pause reichte.

„Moritz?“

Er rieb sich mit der Hand über das Gesicht.

„Ich meine nur, dass man in einer Familie füreinander einstehen sollte.“

Clara nickte langsam.

„In einer Familie“, wiederholte sie tonlos.

Dann senkte sie den Blick auf den Verlobungsring an ihrer Hand und legte die Finger daran.

Mit einer langsamen, beinahe feierlichen Bewegung streifte sie den Ring von ihrem Finger.

Moritz erstarrte, als hätte jemand den Raum schlagartig abgekühlt.

„Was soll das werden?“

Clara trat auf ihn zu. Ohne Hast, ohne Zittern. Dann legte sie ihm den Ring in die offene Handfläche.

„Diese Hochzeit wird nicht stattfinden.“

„Clara …“

„Nein“, unterbrach sie ihn leise, aber endgültig.

Er schüttelte fassungslos den Kopf.

„Du willst doch nicht wegen eines Streits mit meiner Mutter alles beenden.“

„Es geht nicht um den Streit.“

Clara hob den Blick und sah ihn direkt an.

„Es geht darum, wie du dich verhalten hast.“

Moritz fand keine Antwort.

„Du hast mich kein einziges Mal gefragt, was ich darüber denke. Du hast nur überlegt, auf welchem Weg du Sophies Problem mit meinem Geld lösen kannst.“

„Ich wollte doch bloß helfen.“

„Nein“, sagte Clara. „Du wolltest, dass ich dafür bezahle.“

Sophie fuhr sofort dazwischen.

„Du begehst gerade den größten Fehler deines Lebens!“

Clara wandte den Kopf zu ihr.