
„Sag mir endlich, was ich für dich bin: deine Frau oder eine Küchenhilfe auf Abruf?“ — Anna knallte den Deckel so heftig auf den Topf, dass eine Dampfwolke bis unter die Decke schoss
Das ist ungerecht, demütigend und zutiefst erschöpfend.
— Von wegen Gäste! Sag deiner Mutter, sie soll sich für ihre Feier jemand anderen suchen, der sich abrackert und kocht. Bei uns fällt alles aus!
— Wie lange soll ich das noch mitmachen, Paul?! — Anna knallte den Deckel so heftig auf den Topf, dass eine Dampfwolke bis unter die Decke schoss. — Sag mir endlich, was ich für dich bin: deine Frau oder eine Küchenhilfe auf Abruf?
Paul blieb in der Küchentür stehen, erstarrt wie ein Schüler, den man beim Abschreiben erwischt hatte. In der einen Hand hielt er die Fernbedienung, in der anderen eine halb ausgetrunkene Tasse Tee.
— Anna, warum regst du dich denn schon wieder so auf? — zog er die Worte in die Länge und verzog das Gesicht. — Mama hat doch nur gesagt, dass die Gäste diesmal zu uns kommen. Und du kochst doch eigentlich gern.
— Gern gekocht, ja — äffte Anna ihn bitter nach. — Aber nicht für dreißig hungrige Leute auf einmal! Ich bin kein Kantinenbetrieb!

Draußen hing ein trüber Oktoberregen über dem Hof. Pfützen breiteten sich auf dem Asphalt aus, irgendwo am Hauseingang winselten Hunde. In der Küche aber war die Luft so schwer, dass man sie hätte schneiden können: voller Kränkung, Erschöpfung und dem Geruch der brodelnden Suppe.
— Anna, du übertreibst — murmelte Paul und wich ihrem Blick aus. — Meine Mutter ist es eben gewohnt, im Kreis der Familie zu feiern. Was ist denn daran so furchtbar? Es geht doch nur um einen einzigen Tag im Jahr.
— Ein Tag, dann noch einer und danach gleich der nächste! — schoss sie zurück. — Erst kommt Silvester, dann Ostern, dann Paulas Namenstag, und irgendwann steht auch dein Onkel Lukas wieder vor der Tür mit seinem ewigen: „Ich wollte nur kurz auf einen Tee reinschauen.“ Ich kann nicht mehr, Paul! Ich will leben und nicht mein ganzes Leben am Herd verbringen!
Sie ließ sich auf den Küchenhocker sinken und presste die Handflächen gegen die Stirn. In ihren Augen war kein Zorn mehr, nur noch Müdigkeit. Ihre Stimme bebte nicht vor Wut, sondern vor Verzweiflung.
— Ich weiß nicht einmal mehr, wann wir zuletzt einfach zu zweit Pizza aus dem Karton gegessen und einen Film angeschaut haben. Immer nur Festessen, Verwandtschaft, Gelächter, klirrende Gläser. Und ich stehe in der Küche, als wäre ich irgendein Automat.
Paul seufzte, trat näher und legte ihr die Hand auf die Schulter.
— Anna, bitte, fang nicht wieder damit an. Sag doch lieber, warum du dir keine Hilfe holst.
Sie hob den Kopf und sah ihn an.
— Hilfe? Von deiner Mutter? Die trägt nicht einmal ihren eigenen Teller in die Küche. Sie sagt nur, ich würde „das alles so wunderbar im Griff haben“. Und du? Hast du mir jemals wirklich beim Kochen geholfen?
— Ich kann das eben nicht so wie du — verteidigte sich Paul. — Du hast dafür einfach ein Händchen.
Anna lachte kurz auf, doch es klang hart und freudlos.
— Natürlich. Ein großartiges Talent: sich in Vollzeit in einen Haushaltsroboter zu verwandeln. Wirklich beeindruckend.
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