„Also kommst du nicht zurück?“, fragte Frau Greta.
„Nein, Frau Greta. Von jetzt an gehe ich nur noch dorthin zurück, wo man mich schätzt. Nicht dorthin, wo man mich benutzt.“
Die Nachbarin seufzte.
„Richtig so, mein Kind. Es reicht, sich zum Fußabtreter machen zu lassen. Eine Frau ohne eigenen Willen ist wie Tee ohne Aufguss. Er steht zwar auf dem Tisch, aber er gibt nichts her.“
Anna musste lächeln.
„Genau so sehe ich das auch.“
Der Winter kam früh. Weicher Schnee legte sich über die Straßen, als hätte jemand einen Vorhang über eine Bühne gezogen, auf der gerade das letzte Wort gesprochen worden war.
Nach der Arbeit ging Anna durch die dunkle Straße. Sie atmete die kalte Luft tief ein. In ihrer Hand trug sie eine Einkaufstasche, auf ihrem Gesicht lag Frieden.
Ein Mann kam ihr entgegen, einen Blumenstrauß im Arm. Unwillkürlich lächelte sie.
Nicht, weil sie darauf wartete, dass ihr jemand Blumen schenkte.
Sondern weil sie sich zum ersten Mal seit vielen Jahren wieder lebendig fühlte.
Frei.
Und dort, zwischen fallenden Schneeflocken und dem gelben Licht der Laternen, begriff sie: Eine Trennung ist nicht das Ende.
Sie ist nur der Anfang eines neuen Kapitels.
Eines Kapitels, in dem sie nicht die Köchin war, nicht „Anna, bring mal“, nicht jemand, der funktionieren musste.
Sondern einfach eine Frau.
Eine Frau, die ihr eigenes Ich wiedergefunden hatte.