„Da vorn ist noch was frei. Setzen Sie sich einfach hin.“
Ich bedankte mich dennoch und ging zu dem Tisch.
Dort war allerdings nicht ordentlich sauber gemacht worden. Neben der Serviette befand sich ein kleiner Fleck, und unter dem Tisch lagen klebrige Brotkrümel auf dem Boden. Ich blieb sitzen und wartete. Erst nach mehreren Minuten erschien ein junger Kellner mit dunklem Haar.
Auf seinem Namensschild stand: Theo Schmitt.
„Was möchten Sie?“, fragte er knapp, ohne mir richtig ins Gesicht zu sehen.
Ich entschied mich für eine Pilzsuppe, danach für gegrilltes Rindfleisch mit Gemüse, dazu Kartoffeln und ein Glas Mineralwasser. Zum Schluss erkundigte ich mich noch nach einem kleinen Stück Schokoladenkuchen.
Theo Schmitt notierte die Bestellung.
„Sind dann 125 Euro“, sagte er, als ich nach dem Gesamtpreis fragte.
Ich nickte nur. Die Summe passte zu den Preisen auf der Karte. Unser Restaurant war nie als günstiges Lokal gedacht gewesen, doch die Lage, die Qualität der Waren und der Aufwand in der Küche rechtfertigten das Niveau.
Während ich auf mein Essen wartete, ließ ich den Blick durch den Raum schweifen.
An einem der größeren Tische feierte eine Familie offenbar den Geburtstag der Großmutter. Zwei Kinder kicherten laut, während ihr Vater sich bemühte, eine Kerze auf der Torte anzuzünden.
Nicht weit davon saßen drei Männer in Anzügen. Ihnen gegenüber zeigte Theo Schmitt ein völlig anderes Gesicht als mir. Er rückte ihnen die Stühle zurecht, pries ihnen hochpreisige Weine an und lachte über jede Bemerkung, selbst wenn sie kaum witzig war.
Als ich ihn etwas später um eine zusätzliche Serviette bat, machte er lediglich eine kurze abwehrende Bewegung mit der Hand.
„Moment.“
Also wartete ich.
Die Suppe schmeckte ausgezeichnet, und auch das Fleisch war auf den Punkt gebraten. Doch ungefähr zur Hälfte meines Hauptgangs fiel mir auf, wie Theo Schmitt einem älteren Ehepaar die Rechnung brachte.
Der Mann nahm den Beleg, runzelte die Stirn und sah dann verunsichert zu dem Kellner auf.
„Entschuldigen Sie bitte“, sagte er vorsichtig. „Wir hatten zwei Hauptgerichte und eine Flasche Wasser. Weshalb sind hier drei Flaschen Wein aufgeführt?“
Theo Schmitt beugte sich leicht zu ihm hinunter.
„Vielleicht erinnern Sie sich nur nicht mehr daran, was Sie bestellt haben.“
„Wir trinken gar keinen Alkohol“, sagte die Frau leise.
Der Kellner verdrehte genervt die Augen.
„Dann besprechen Sie das eben mit der Kasse.“
Ohne ein Wort der Entschuldigung wandte er sich ab und ging weiter.
Ich legte langsam meine Gabel auf den Teller.
Das war kein harmloses Versehen und auch kein gewöhnlicher Fehler im Service. Ich kannte die internen Abläufe meines Restaurants genau. Jede Bestellung wurde im Kassensystem gespeichert, und zusätzliche Getränke konnten nicht einfach auf einer Rechnung auftauchen, ohne irgendwo zuvor erfasst worden zu sein.
Ich beschloss, die Angelegenheit nicht sofort eskalieren zu lassen, sondern sie nach dem Essen in Ruhe zu prüfen.
Als Theo Schmitt wenig später den Kuchen brachte, bat ich ihn um die Rechnung.