„Gute Mitarbeiter buchen keine fremden Bestellungen auf Rechnungen von Gästen, die damit nichts zu tun haben.“
Seine Miene verhärtete sich.
„Du kannst doch nicht wegen jeder Kleinigkeit jemanden rauswerfen.“
Ich sah ihn einen Moment lang schweigend an.
„Wer hat behauptet, dass ich gerade von einer Entlassung spreche?“
Markus sagte nichts.
Dieses Wort war von mir nicht gefallen.
Laura hob den Kopf von ihrem Tablet. Auch ihr war es aufgefallen.
„Markus“, fragte ich langsam, „weißt du bereits mehr über diese Abrechnungen?“
„Nein.“
„Dann hast du sicher kein Problem damit, wenn wir die Protokolle vollständig durchgehen.“
Für den Bruchteil einer Sekunde glitt sein Blick zu Theo hinüber.
Es war nur ein kurzer Reflex. Aber er reichte, um mich hellhörig zu machen.
Wir zogen uns in mein Büro zurück. Laura veranlasste die Sicherung der Buchhaltungsdaten und begann anschließend, sämtliche auffälligen Rechnungen der vergangenen drei Monate herauszufiltern.
Was nach und nach sichtbar wurde, war alles andere als harmlos.
Bei mindestens elf Gästen waren Rechnungen im Nachhinein verändert worden. Die zu hoch berechneten Beträge bewegten sich zwischen 35 und 540 Euro. In mehreren Fällen tauchten die zusätzlichen Einnahmen außerdem nicht korrekt als Restaurantumsatz in der Dokumentation auf.
Noch ließ sich nicht eindeutig sagen, wer am Ende von diesem Geld profitiert hatte. Fest stand jedoch: Theo war nicht der Einzige, der über die nötigen Berechtigungen verfügte.
Auch Markus hatte Zugriff auf genau jene Rechnungen gehabt, die später verändert worden waren.
Als ich ihn damit konfrontierte, verschränkte er die Arme vor der Brust.
„Du solltest sehr vorsichtig sein, bevor du hier irgendwelche Vorwürfe in den Raum stellst.“
„Genau das bin ich.“
„Vielleicht haben die Gäste schlicht nicht mehr gewusst, was sie bestellt hatten.“
„Elf Gäste auf einmal?“
Markus zuckte kaum merklich mit den Schultern.
„Irrtümer kommen vor.“
„Dann werden wir genau diese Irrtümer jetzt nachprüfen.“
Daraufhin erhob er sich langsam von seinem Stuhl. Sein Blick wurde hart.
„Du verrennst dich, Florian. Wenn du anfängst, deine eigenen Leute wie Verdächtige zu behandeln, wird dir irgendwann niemand mehr bleiben, der hier arbeiten will.“
Ich blieb, wo ich war, und sah zu ihm auf.
„Und wenn ich zulasse, dass Gäste wie leichte Beute behandelt werden, wird bald niemand mehr freiwillig durch diese Tür kommen.“
Markus sagte nichts mehr. Er drehte sich um und verließ das Büro, ohne die Tür hinter sich besonders leise zu schließen.
Schon am folgenden Vormittag hatten wir die ersten Gäste erreicht, deren Rechnungen auffällig gewesen waren. Zwei von ihnen schickten uns Fotos der ursprünglichen Belege, die sie glücklicherweise noch aufbewahrt hatten.
Eine Frau berichtete am Telefon, sie habe sich nach der Auseinandersetzung mit Theo Schmitt so unwohl und beschämt gefühlt, dass sie schließlich bezahlt habe, nur um die Situation zu beenden.
Ein junges Paar erzählte uns, dass es den restlichen Abend hatte streichen müssen. Die plötzlich viel höhere Rechnung hatte das Geld verschlungen, das eigentlich für den gesamten Wochenendausflug gedacht gewesen war.