Darauf hatte er keine Antwort.

Noch bevor ich etwas erwidern konnte, trat der ältere Herr vom Nebentisch näher. Seine Frau blieb dicht bei ihm stehen, die Handtasche fest an den Körper gedrückt.

„Verzeihen Sie“, begann er vorsichtig. „Wir haben eben unfreiwillig mitgehört, worum es hier geht. Bei uns stimmt die Rechnung offenbar ebenfalls nicht.“

Theo wurde so blass, dass selbst seine Lippen kaum noch Farbe hatten.

Der Mann griff in die Innentasche seines Sakkos und zog einen Kassenbon hervor.

„Wir haben vorhin 230 Euro bezahlt. Nach unserer eigenen Rechnung hätten es ungefähr 85 Euro sein müssen. Als wir den Kellner darauf ansprachen, meinte er, wir hätten die zusätzlichen Getränke wohl einfach vergessen.“

Ich nahm den Beleg entgegen und reichte ihn direkt an Laura weiter.

„Bitte prüfen Sie diese Rechnung ebenfalls.“

Sie machte sich sofort daran.

Das Ergebnis ließ nicht lange auf sich warten.

Wieder dasselbe Muster.

Diesmal unternahm Theo nicht einmal mehr den Versuch, sich herauszureden.

Ich hätte ihn in diesem Augenblick fristlos vor die Tür setzen können. Der Impuls war da, ganz eindeutig. Er hatte sich mir gegenüber nicht nur respektlos verhalten; inzwischen stand der Verdacht im Raum, dass er mehrere Gäste bewusst übervorteilt hatte.

Trotzdem wollte ich nicht vorschnell handeln. Vor allem musste ich wissen, ob es sich um einen Einzelfall handelte oder ob dahinter ein größeres System steckte.

„Laura“, sagte ich ruhig, „verständigen Sie bitte den Sicherheitsverantwortlichen. Außerdem sollen sämtliche relevanten Kassendaten gesichert werden. Ab sofort wird nichts mehr geändert, überschrieben oder gelöscht. Wir prüfen jede betroffene Rechnung vollständig.“

Dann wandte ich mich wieder an Theo.

„Bis zur Klärung nimmst du keine weiteren Bestellungen mehr auf und bearbeitest auch keine Zahlungen. Deine Zugangskarte gibst du jetzt ab. Danach wartest du im Büro, bis ich dir sage, wie es weitergeht.“

„Herr Köhler, bitte“, stieß er hervor. „Ich kann das erklären.“

„Dazu hattest du bereits Gelegenheit.“

Zögernd legte er die Karte auf den Tisch.

Als er sich abwenden wollte, erklang vom Empfang her eine Stimme, scharf und viel zu laut für den Raum.

„Das ist doch völlig überzogen. Wegen ein paar Rechnungen veranstaltet ihr hier so ein Theater?“

Markus Otto stand dort, mein stellvertretender Geschäftsführer.

Ich hatte ihn damals eingestellt, weil er viele Jahre Erfahrung in der Gastronomie vorweisen konnte und im Bewerbungsgespräch den Eindruck eines äußerst verlässlichen Mannes gemacht hatte.

Nun kam er mit schnellen Schritten näher und warf einen kurzen Blick auf Lauras Tablet.

„Florian“, sagte er, sobald er mich erkannte, und senkte die Stimme ein wenig. „Das ist eine interne Sache. So etwas klärt man nicht mitten im Gastraum.“

„Da stimme ich dir zu“, erwiderte ich. „Intern werden wir das auch klären. Aber erst, nachdem wir uns um die Gäste gekümmert haben, die offenbar zu viel bezahlt haben.“

Markus zog ein angespanntes Lächeln auf.

„Das lässt sich alles später regeln. Theo stellt sich manchmal etwas ungeschickt an, aber grundsätzlich ist er ein guter Mitarbeiter.“