„Weil er der Mann Ihrer Tochter ist!“, rief Claudia. „Die beiden sind eine Familie.“

„Sie waren eine Familie“, sagte Laura leise.

Für einen Moment wurde es vollkommen still. Alle Blicke wandten sich ihr zu.

Daniel schluckte. „Was soll das heißen?“, fragte er, und seine Stimme brach fast.

Laura sah ihn lange an, bevor sie antwortete. „Ich kann nicht mit jemandem zusammenleben, dem ich nicht mehr vertrauen kann. Du hast dieses Vertrauen zerstört, Daniel. Nicht einmal, sondern immer wieder. Du hast mich belogen, deine Schulden verheimlicht, meinen Vater hineingezogen … Wie soll ich glauben, dass du morgen nicht noch etwas Schlimmeres tust?“

„Du willst dich scheiden lassen?“ Daniel starrte sie an, als hätte sie eine fremde Sprache gesprochen.

„Ich will, dass du zuerst das in Ordnung bringst, was du angerichtet hast“, sagte Laura. „Danach können wir darüber reden, ob es für uns überhaupt noch eine Zukunft gibt.“

Bis dahin hatte Sabine geschwiegen. Nun legte sie die Hände auf den Tisch und sagte ruhig: „Es gibt eine Möglichkeit, den unmittelbaren Schaden zu begrenzen. Wir haben Rücklagen. Wir könnten den Kredit, der auf Thomas’ Namen läuft, ablösen, damit seine Bonität nicht weiter leidet. Daniel müsste uns diese Summe dann zurückzahlen.“

Thomas fuhr zu ihr herum. „Warum sollten wir jemanden retten, der uns betrogen hat?“

„Weil er mit unserer Tochter verheiratet ist“, antwortete Sabine gelassen. „Und weil uns ein Gerichtsverfahren außer Ärger, Zeitverlust und Nerven kaum etwas bringen wird.“

„Und was ist mit seinen übrigen Schulden?“ Thomas’ Stirn verfinsterte sich. „Hast du die Summe gehört? Das sind fast dreißigtausend Euro, unseren Kredit noch gar nicht mitgerechnet.“

Sabine zuckte leicht mit den Schultern. „Das ist Daniels Problem. Er ist erwachsen. Dann muss er auch einen Weg finden, damit fertigzuwerden.“

„Ich zahle alles zurück“, sagte Daniel hastig, beinahe fieberhaft. „Ich schwöre es. Jeden einzelnen Cent.“

Laura verzog keine Miene. „Deine Schwüre habe ich schon gehört. Was sind sie wert? Vor acht Jahren hast du mir auch versprochen, mich zu lieben und zu achten. Und schau, wo wir jetzt stehen.“

Daniel senkte den Kopf. Über dem Tisch lag eine schwere, drückende Stille.

Schließlich räusperte sich Thomas. „Mein Vorschlag ist folgender: Sabine und ich begleichen den Kredit, der auf meinen Namen abgeschlossen wurde. Daniel unterschreibt uns eine schriftliche Schuldanerkennung und zahlt monatlich einen festgelegten Betrag zurück. Ohne Ausreden, ohne Verzögerungen.“

„Einverstanden“, murmelte Daniel.

„Und es gibt noch eine Bedingung“, fuhr Thomas fort. „Du gehst gemeinsam mit Laura zu einer Schuldner- oder Finanzberatung. Dort legst du sämtliche Kredite, Darlehen und offenen Forderungen offen. Wirklich alles. Kein Verstecken mehr.“

Claudia, die die ganze Zeit nervös an einer Serviette herumgezupft hatte, mischte sich scharf ein. „Warum soll Daniel sich vor Laura rechtfertigen? Das ist erniedrigend!“

„Mama“, sagte Daniel erschöpft. „Bitte sei still.“

„Nein, ich werde nicht still sein!“ Claudia war empört. „Sie wollen dich zu einem Schuldner abstempeln, zu einem Menschen zweiter Klasse. Als hättest du das alles mit böser Absicht getan! Du wolltest doch nur das Beste!“