„Mama.“ Diesmal hob Daniel die Stimme. „Ich habe eine Straftat begangen. Verstehst du das? Eine Straftat. Und ich habe Glück, dass Lauras Eltern mir helfen wollen, statt direkt zur Polizei zu gehen.“

„Aber du bist doch kein Dieb!“ Claudia ließ nicht locker. „Du wolltest für deine Familie sorgen, etwas aufbauen, Kapital schaffen!“

„Für eine Familie sorgt man am besten, indem man ehrlich arbeitet“, sagte Sabine nun, ohne laut zu werden. „Nicht, indem man Verwandte um Geld bringt und seine Frau in riskante Geschäfte hineinzieht.“

„Sie verstehen überhaupt nichts!“ Claudia sprang von ihrem Stuhl auf. „Alle hier tun so, als sei mein Sohn allein schuld! Aber wer hat ihn denn dazu gebracht, zusätzlich Geld auftreiben zu müssen? Vielleicht Laura? Sie ist doch ständig bei der Arbeit, immer nur Karriere, Karriere, Karriere, statt ihrem Mann den Rücken zu stärken und ein Zuhause zu schaffen!“

„Jetzt reicht es.“ Auch Laura erhob sich. Ihre Stimme zitterte, aber sie blieb klar. „Claudia, ich habe nie versucht, auf Kosten unserer Ehe Karriere zu machen. Ich habe einfach meine Arbeit gut gemacht. Und ich habe Daniel immer unterstützt, auch finanziell, wenn es nötig war.“

„Laura hat recht“, sagte Daniel plötzlich.

Claudia sah ihren Sohn an, als hätte er sie vor allen Leuten verraten.

Daniel fuhr leiser fort: „Sie war eine gute Ehefrau. Immer. Ich bin derjenige, der alles kaputtgemacht hat.“

„Daniel, bist du jetzt auch gegen mich?“ In Claudias Stimme lag verletzter Trotz.

„Ich bin nicht gegen dich, Mama.“ Daniel atmete schwer aus. „Ich sehe nur zum ersten Mal klar, was passiert ist. Ich habe Mist gebaut. Richtig großen Mist. Und jetzt muss ich die Verantwortung dafür tragen.“

Thomas nickte, sichtbar zufrieden darüber, dass wenigstens dieser Punkt angekommen war.

„Gut“, sagte er. „Dann halten wir fest: Sabine und ich lösen den Kredit ab. Du unterschreibst eine Schuldanerkennung und zahlst uns jeden Monat einen vereinbarten Betrag zurück. Außerdem legst du Laura deine gesamte finanzielle Situation offen. Bist du damit einverstanden?“

Daniel nickte. „Ja. Vollständig.“

Sabine wandte sich an ihre Tochter. „Und was ist mit eurer Ehe? Wollt ihr diese Probleme gemeinsam angehen?“

Laura blickte zu Daniel hinüber. Acht Jahre gemeinsames Leben standen plötzlich zwischen ihnen wie ein beschädigtes Haus, in dem man nicht wusste, ob es noch zu retten war. Es hatte schöne Zeiten gegeben, viele sogar. Es hatte Streit gegeben, Sorgen, schwierige Monate. Aber ein Verrat von dieser Größe war etwas anderes.

„Ich weiß es nicht“, sagte sie ehrlich. „Im Moment kann ich keine Entscheidung treffen. Ich brauche Zeit.“

„Ich warte so lange, wie du brauchst“, sagte Daniel. „Und ich werde alles tun, um mir dein Vertrauen irgendwann wieder zu verdienen.“

Claudia öffnete den Mund, als wolle sie erneut widersprechen, doch dann schwieg sie. Vielleicht sah sie zum ersten Mal seit langer Zeit etwas in den Augen ihres Sohnes, das ihr fremd war: Entschlossenheit.

Eine Woche verging. Laura blieb weiterhin bei Miriam und fuhr nur dann in die gemeinsame Wohnung, wenn Daniel nicht da war, um Kleidung oder andere notwendige Dinge zu holen. Ihre Eltern beglichen den Kredit, der auf Thomas’ Namen lief, und Daniel unterschrieb eine Schuldanerkennung über die Summe, die er zurückzahlen musste.