Nicht ihre Sachen wollte sie packen.

Sie packte seine.

Pullover, Hemden, Jeans — alles landete ohne jede Sorgfalt in den Koffern. Die teuren Poloshirts, die sie ihm zu Geburtstagen und Weihnachten geschenkt hatte. Unterwäsche, Socken, Gürtel. Aus dem Bad holte sie Rasierer, Aftershave, Zahnbürste und den ganzen Kleinkram, der jahrelang selbstverständlich Platz in ihrem Leben eingenommen hatte.

In eine separate Tüte legte sie den Karton mit seiner Spielekonsole. Es war die einzige größere Anschaffung, die Paul in den letzten zwei Jahren selbst bezahlt hatte. Kabel, Controller und Spielehüllen warf sie hinterher.

Laura arbeitete ruhig, präzise und beinahe mechanisch. Wie eine Maschine, die nicht wütend war, sondern nur noch eine Aufgabe erfüllte: Schmutz beseitigen, Raum schaffen, das eigene Leben entrümpeln.

Als die Koffer endlich voll waren, musste sie sich mit beiden Händen gegen die Deckel stemmen, um die Reißverschlüsse zuzuziehen. Sie waren schwerer, als sie erwartet hatte. Dennoch zerrte sie sie hinaus in den Flur, schleifte sie bis zur Wohnungstür und stellte sie draußen auf dem Treppenabsatz ab. Die Tüte mit der Konsole kam daneben. Ein Paar Herbststiefel von ihm warf sie ebenfalls dazu.

Dann ging sie zurück ins Schlafzimmer und zog die Schublade des Nachttisches auf.

Unter einem Stapel glänzender Zeitschriften lag eine Mappe mit Dokumenten. Die Heiratsurkunde. Verträge. Zahlungsbelege. Empfangsbestätigungen. Laura nahm die Urkunde heraus und betrachtete das feste Papier mit dem blauen Siegel. Vor fünf Jahren hatte sie im Standesamt vor Glück geweint und sich an Pauls Schulter gedrückt. Jetzt wirkte dieses Blatt auf sie wie eine Bescheinigung über vorzeitige Entlassung aus einem Hochsicherheitsgefängnis.

Sie trug die Urkunde in den Flur und legte sie auf die Kommode. Daneben platzierte sie Pauls Wohnungsschlüssel, die er am Morgen in der Eile auf dem Schränkchen vergessen hatte, als sie zum Wochenendhaus aufgebrochen waren.

Noch einmal trat Laura hinaus auf den Treppenabsatz und sah die Koffer an. Dann ging sie wieder hinein und zog die schwere Metalltür hinter sich ins Schloss.

Sie nahm ihren eigenen Schlüssel.

Von innen steckte sie ihn in den Zylinder.

Dann drehte sie ihn zweimal vollständig herum.

Anschließend ließ sie ihn einfach im Schloss stecken.

Diese alte, aber ungemein zuverlässige Sicherheitstür hatte eine Besonderheit: Sobald innen ein Schlüssel steckte, ließ sie sich von außen nicht mehr öffnen. Nicht mit Gewalt, nicht mit Geduld und auch nicht mit einem originalen Zweitschlüssel. Der Mechanismus blockierte schlicht den Zugang für jeden weiteren Schlüssel.

Für Paul Walter war der Rückweg endgültig versperrt.

In die Wohnung.

Und in ihr Leben.

Schlussakt ohne Zwischenpause

Laura ging in die helle Küche und stellte den Wasserkocher an.

Aus dem oberen Schrank nahm sie ihre liebste Keramiktasse. Dann füllte sie losen Tee hinein, kräftig duftend, mit Thymian.

Erst jetzt merkte sie, wie müde ihre Beine waren. Die Anspannung ließ nach, und mit ihr kam ein dumpfes Ziehen in den Muskeln. Sie setzte sich auf den Stuhl am offenen Fenster und blickte hinaus auf die Stadt, die bereits in den Abend hinüberglitt. Draußen ging alles weiter wie immer. Irgendwo hupte ein Auto. Im Hof lachten Kinder. Ein Hund bellte. Ein Nachbar zog klappernd den Rollladen herunter.