„Theo, ich bin am Ende“, sagte Sophie mit einer Stimme, die plötzlich ruhig und schneidend klang. „Du wählst jetzt. Entweder deine Mutter geht. Oder ihr geht beide.“

Für einen Moment wurde es vollkommen still. Karoline erstarrte mit einem Kleidungsstück in der Hand. Theo sah seine Frau an, als könne er nicht glauben, was er soeben gehört hatte.

„Das kannst du nicht von mir verlangen“, flüsterte er.

„Doch“, erwiderte Sophie. „Das kann ich. Dies ist mein Zuhause. Also entscheide dich.“ Sie hielt seinem Blick stand. „Deine Mutter oder deine Frau.“

Theo senkte den Kopf. Die Sekunden dehnten sich quälend lang. Dann hob er langsam den Blick und sah zu Karoline.

„Mama, pack deine Sachen zusammen“, sagte er leise.

Karoline sog empört die Luft ein. Sophie atmete auf, als würde eine Last von ihrer Brust genommen.

Doch dann fügte Theo unerwartet hinzu: „Ich gehe auch. Ich kann Mama nicht alleinlassen.“

Diese Worte fielen wie ein endgültiges Urteil. Sophie verstand sofort: Er hatte gewählt. Und seine Wahl galt nicht ihr.

Eine Stunde später war die Wohnung leer. Sophie stand allein im Wohnzimmer und sah sich um. Überall lagen Dinge herum, als hätte ein Sturm gewütet. Möbel waren verschoben, Schubladen standen halb offen, fremde Spuren klebten an ihrem vertrauten Raum.

Tränen liefen ihr über die Wangen. Nicht aus Trauer, sondern aus Erschütterung. Es war kaum zu begreifen, wie selbstsüchtig, dreist und undankbar Menschen sein konnten.

Langsam ging sie zum Sofa und schob es zurück an seinen Platz. Danach rückte sie den Sessel zurecht. Anschließend stellte sie den kleinen Tisch am Fenster wieder dorthin, wo er immer gestanden hatte.

Nach und nach kehrte Ordnung ein. Und mit ihr kam Stille. Eine andere Stille als zuvor — nicht leer, sondern heilend.

Die Wohnung wurde wieder zu ihrem Zuhause.

Sophie setzte sich in ihren Lieblingssessel und ließ den Blick durch den Raum schweifen. Alles war dort, wo es hingehörte. Jeder Gegenstand hatte seinen Platz zurückerhalten.

Und zum ersten Mal seit langer Zeit fühlte sie es ganz deutlich: Dieses Zuhause gehörte wieder ihr.

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— Wo hat sich deine Frau verkrochen? Lea! Komm her, du brauchst dich da nicht zu verstecken!

Sandra Petrowna platzte in den Flur, als gehöre die Wohnung ihr. Kein Klingeln an der Tür, keine Vorwarnung — unten hatte sie nur über die Sprechanlage geklingelt, und Jonas hatte, ohne nachzudenken, den Türöffner gedrückt. Schon zog sie sich den Mantel von den Schultern, hängte ihn an einen fremden Haken und ließ den Blick prüfend über die Diele gleiten, als sei sie gekommen, um eine Baustelle abzunehmen.

Hinter ihr schob sich Theo herein, Jonas’ jüngerer Bruder.