„Ich habe dir etwas mitgebracht.“
Sie legte ein altes Fotoalbum auf den Tisch.
Lena schlug es auf. Auf der ersten Seite war Elias an ihrem Hochzeitstag zu sehen, mit einem breiten, beinahe jungenhaften Lächeln.
Ihre Fingerspitze glitt über das Bild.
„Warum?“
Sophia schluckte.
„Weil er dich geliebt hat. Und wir … wir konnten das nie ertragen.“
Sie stand auf, ohne eine Antwort abzuwarten. An der Tür blieb sie noch einmal stehen.
„Ich fahre mit Mutter. Wahrscheinlich ist das jetzt wirklich das Ende.“
Lena hielt sie nicht zurück.
Am Abend saß sie mit dem Fotoalbum auf den Knien auf dem Balkon. Seite um Seite blätterte sie weiter. Da waren Bilder von ihr und Elias: lachend, albern, glücklich — aus einer Zeit, bevor Missgunst und Kälte alles vergiftet hatten.
Das Telefon klingelte.
Paul Hartmann.
„Hast du die Nachrichten gesehen?“
„Nein. Warum?“
„Andrea Böhm hat ein Interview gegeben. Darüber, dass sie sich geirrt hat.“
Lena klappte den Laptop auf. Wenige Sekunden später erschien Andrea auf dem Bildschirm. Sie sah aus, als sei sie in wenigen Wochen um Jahre gealtert, doch ihr Kopf war erhoben.
„Ich habe meinen Sohn zweimal verloren“, sagte sie vor laufender Kamera. „Das erste Mal, als er Lena wählte. Das zweite Mal, als ich mich weigerte, seine Wahl anzunehmen. Heute begreife ich …“
Lena schloss das Video.
„Was wirst du tun?“, fragte Paul leise.
Sie legte die Hand auf das Fotoalbum und blickte zum Fenster hinaus. Auf dem Tisch neben ihr lag der Saphirring und fing das letzte Licht des Sonnenuntergangs ein.
„Weiterleben.“
Dann beendete sie das Gespräch, nahm das Album und den Ring und ging hinein, um den Tisch für eine Person zu decken.
Doch zum ersten Mal seit langer Zeit fühlte sich die Wohnung nicht mehr leer an.