„Ich weiß.“

„Ich hatte keine Ahnung, dass er dir gehört.“

„Das glaube ich dir.“

Man sah ihr an, wie unangenehm ihr die ganze Sache war.

Mit Sophie hatte ich nie ernsthafte Schwierigkeiten gehabt. Sie war zweiunddreißig, hatte zwei kleine Kinder, hetzte ständig von einem Termin zum nächsten, und ihre Mutter versuchte über sie genauso zu bestimmen wie über uns.

Sandra dagegen schrieb Moritz auf dem Heimweg eine lange Nachricht.

Er zeigte sie mir nicht.

Das musste er auch nicht.

Sein Gesicht reichte, während er las.

„Sie schreibt, dass du sie gedemütigt hast“, sagte ich.

Moritz sah hoch.

„Woher weißt du das?“

„Weil ich sie kenne.“

Für ein paar Sekunden schwieg er.

„Sie meint, du hättest eine Szene gemacht.“

Ich lachte kurz auf.

„Ich habe genau einen Satz gesagt.“

„Ich weiß.“

„Und du?“

Er atmete aus.

„Ich weiß auch, dass sie eine Grenze überschritten hat.“

„Nicht nur eine.“

Moritz sah mich genauer an.

„Was meinst du?“

„Wo hat sie den Mantel gefunden?“

Darauf antwortete er nicht sofort.

Der Mantel hatte nicht im Flur gehangen.

Ich bewahrte ihn in einem Kleidersack auf, im Ankleidezimmer neben unserem Schlafzimmer.

Das bedeutete: Sandra war nicht einfach nur in unsere Wohnung gekommen.

Sie war in den privaten Bereich gegangen.

Sie hatte den Schrank geöffnet.

Den Kleidersack herausgenommen.

Den Mantel herausgezogen.

Und ihn mitgenommen.

Am nächsten Morgen rief ich einen Schlüsseldienst an.

Moritz widersprach nicht.

Noch am Nachmittag waren zwei neue Schlösser in der Tür.

Ein Schlüssel bei mir.

Einer bei Moritz.

Mehr nicht.

Ich glaubte, damit sei die Sache erledigt.

Drei Tage später passierte jedoch etwas, das alles veränderte.

Nach der Arbeit fuhr ich kurz bei Sophie vorbei, weil meine Keksdose von Weihnachten noch bei ihr stand.

Sophie machte in der Küche Kaffee.

Ich blieb im Türrahmen stehen, weil mein Blick auf ein weißes Keramikgefäß im Regal fiel.

„Woher hast du die Vase?“

Sophie sah hinüber.

„Mama hat sie mitgebracht.“

„Wann?“

„Ich glaube, im November.“

Die Vase gehörte mir.

Sie war nicht besonders wertvoll gewesen. Vielleicht dreißig Euro.

Aber sie war aus unserem Wohnzimmer verschwunden.

Ich hatte damals angenommen, ich hätte sie zerbrochen und es nur vergessen.

„Wieso fragst du?“, wollte Sophie wissen.

„Weil auch die mir gehört.“

Sophie erstarrte.

„Das ist nicht dein Ernst.“

„Doch. Leider.“

Jetzt lachte sie ebenfalls nicht mehr.

„Mama hat gesagt, bei euch würde sie nur Staub ansetzen.“

„Und ich dachte, sie wäre kaputtgegangen.“

Sophie setzte sich langsam auf einen Stuhl.

„Warte mal.“

Sie griff nach ihrem Handy.

„Was machst du?“

„Ich suche etwas.“

Sie scrollte durch ihre Fotos.

Dann hielt sie mir ein Bild hin.

Es war im Sommer bei ihr aufgenommen worden. Auf der Terrasse.

Im Hintergrund lag auf einem geflochtenen Stuhl eine dunkelgrüne Decke.

Auch die gehörte uns.

„Die hat sie ebenfalls gebracht“, sagte Sophie leise.

Mir zog sich der Magen zusammen.

„Wann?“

„Keine Ahnung. Im Frühling vielleicht?“

Als ich später nach Hause kam, stellte ich im Kopf bereits eine Liste zusammen.

Ein Aufsatzteil unserer Küchenmaschine.

Eine Stehlampe aus dem Arbeitszimmer.