Zwei Sofakissen.

Ein altes versilbertes Tablett.

Eine Werkzeugkiste aus Moritz’ Sachen.

Ein ungeöffnetes Parfüm, das ich zum Geburtstag bekommen hatte.

Kleinigkeiten.

Für sich genommen wirkten sie fast lächerlich.

Zusammen aber nicht mehr.

Moritz kam gegen zehn Uhr abends nach Hause.

Ich legte ihm die Liste vor.

„Das alles fehlt.“

Er las sie von oben bis unten durch.

„Die Lampe steht doch im Keller, oder?“

„Nein.“

Sein Blick wanderte weiter über das Papier, und dann blieb er bei der Werkzeugkiste hängen.

„Die hatte mein Vater sich ausgeliehen.“

„Wann?“

Moritz schwieg.

„Keine Ahnung.“

„Hat deine Mutter sie mitgenommen?“

„Kann sein.“

„Und du wusstest das?“

„Nein.“

„Moritz. Sieh mich an.“

Er hob den Blick.

„Wusstest du davon?“

Sein Mund verzog sich kaum merklich.

„Von ein paar Sachen schon.“

Das traf mich heftiger, als ich erwartet hatte.

„Von welchen?“

„Vom Mixer. Von der Decke. Von den Werkzeugen.“

„Und warum hast du mir nichts gesagt?“

„Weil ich dachte, sie bringt es zurück.“

„Wann denn?“

„Ich weiß es nicht.“

„Nach Monaten?“

Er fuhr sich mit der Hand über die Stirn, als könnte er den Druck dort wegmassieren.

„Greta, ich habe nicht gedacht, dass daraus so eine große Sache wird.“

„Es geht nicht um eine Decke.“

„Das weiß ich.“

„Worum dann?“

Eine ganze Weile sagte er gar nichts.

Dann murmelte er:

„Darum, dass meine Mutter nicht begreift, dass nicht automatisch alles allen gehört, nur weil wir eine Familie sind.“

„Nein“, sagte ich leise. „Es geht darum, dass du sie die ganze Zeit gewähren lassen hast.“

Das saß.

Am nächsten Tag rief Moritz seine Mutter an.

Ich saß neben ihm auf dem Sofa.

Er hatte den Lautsprecher nicht eingeschaltet, trotzdem war Sandra so aufgebracht, dass ich jedes Wort verstand.

„Mach dich nicht lächerlich!“, rief sie. „Wollt ihr mir jetzt ernsthaft wegen einer Wolldecke Vorwürfe machen?“

Moritz begann, die einzelnen Dinge aufzuzählen.

Sandra fand für jedes Stück sofort eine Erklärung.

Die Vase habe Sophie dringender gebraucht.

Die Lampe sei in die Werkstatt seines Vaters gekommen.

Das Tablett habe sie Sabine nur geliehen.

Von dem Parfüm wisse sie überhaupt nichts.

Und der Mantel sei „bloß ein Missverständnis“ gewesen.

Dann fragte Moritz:

„War da noch etwas?“

Am anderen Ende der Leitung wurde es still.

Nur für ein paar Sekunden.

Mir reichten sie.

„Mama?“

„Was soll denn noch gewesen sein?“

„Hast du noch irgendetwas mitgenommen?“

„Mein Gott, ich führe doch keine Inventarliste.“

In diesem Moment wusste ich, dass es mehr war.

Moritz wusste es ebenfalls.

Noch am selben Abend fuhren wir zu ihnen.

Sandra und mein Schwiegervater Andreas wohnten in einer Reihenhauswohnung in Kiel.

Andreas war schon immer ein stiller Mann gewesen. Wenn in der Familie gestritten wurde, nahm er meistens die Zeitung, schaltete den Fernseher ein oder verschwand mit der Bemerkung, er müsse „kurz in der Garage nach etwas sehen“.

Diesmal aber blieb er nicht ausweichend. Kaum standen wir im Flur, sagte er:

„Sandra, erzähl es ihnen.“

Sie starrte ihn an, als hätte er sie verraten.

„Was denn?“

„Das, was du mir letzte Woche gesagt hast.“

Moritz runzelte die Stirn.