— Was hat das denn damit zu tun? — Stefan sah sie verständnislos an. — Du hast die Erbsen doch auch eingeweicht.
— Ja. Habe ich. Und ich war auf dem Markt. Und ich habe gekocht. Nebenbei habe ich die ganze Wohnung geputzt, während du auf dem Sofa gelegen hast.
— Ich habe mich ausgeruht — fuhr Stefan auf. — Meine Woche war anstrengend genug.
— Meine auch. — Sophies Stimme bekam einen härteren Klang. — Nur ruht sich samstags aus irgendeinem Grund immer nur einer von uns aus.
Stefan verdrehte die Augen.
— Herrgott, fängst du schon wieder damit an? Ich verlange doch nichts Unmögliches. Ich will nur eine vernünftige Suppe. Mama kocht sie jedes Mal, wenn ich bei ihr bin, und bei ihr klappt es. Bei dir offenbar nicht, oder?
— Stefan… — Sophie spürte, wie sich etwas Enges in ihrer Kehle zusammenzog.
— Nein, mal ehrlich. — Er lehnte sich zurück und verschränkte die Arme vor der Brust. — Bitte ich dich, für mich Spitzen zu klöppeln? Sollst du den Garten umgraben? Ein einziges Mal im Monat wünsche ich mir verdammt noch mal Erbsensuppe!
— Und jedes Mal hast du etwas daran auszusetzen!
— Weil sie jedes Mal misslingt! — brüllte Stefan plötzlich. — Und jedes Mal gibt es eine neue Ausrede. Keine Zeit, falsche Erbsen, falsche Rippchen. Bei Mama funktioniert es, bei jeder normalen Frau funktioniert es — nur bei dir nicht!
Sophie stand vom Tisch auf. Ohne ein weiteres Wort ging sie zum Herd, auf dem der Topf mit dem Rest der Suppe stand. Sie packte ihn an beiden Griffen. Er war schwer und noch immer heiß. In diesem Augenblick verwandelte sich die Müdigkeit, die sich über Jahre in ihr angesammelt hatte, in etwas Klares, Scharfes, Brennendes.
— Weißt du was? — Ihre Stimme klang plötzlich ruhig, beinahe teilnahmslos. — Wenn dir mein Essen nicht schmeckt, dann zieh doch wieder zu deiner Mutter. Dort ist ja ohnehin alles wunderbar.
Sie hob den Topf über den Tisch. Stefan riss den Kopf hoch, und für einen flüchtigen Moment huschte Panik über sein Gesicht.
— Sophie, was soll denn das…
Er begriff, dass etwas passieren würde, und wollte mit dem Stuhl zurückrücken. Doch da war es bereits zu spät. Sophie kippte den Topf, und die dicke Erbsensuppe ergoss sich schwer und klatschend über Stefans Knie, über seine Jeans, auf den Boden und über die Tischkante.
— Aaaah! — Stefan sprang hoch und stieß sich vom Tisch weg. — Bist du völlig wahnsinnig geworden?! Das ist heiß!
Die Suppe war tatsächlich heiß. Nicht kochend genug, um ihn ernsthaft zu verbrennen, aber heiß genug, um sofort durch den Stoff zu dringen. Die Jeans sog sich augenblicklich voll, die braune, zähe Masse lief an seinen Beinen hinunter und tropfte auf die Fliesen.
— Was zum Teufel?! — schrie Stefan, während er hektisch an dem nassen Stoff zerrte. — Hast du jetzt endgültig den Verstand verloren?!
Sophie stellte den leeren Topf auf dem Tisch ab. Regungslos sah sie ihren Mann an.
— Na. Jetzt.
kennst du den Geschmack meiner Suppe wenigstens wirklich — sagte sie leise.
Fluchend riss Stefan sich die Jeans von den Beinen. Die Haut darunter war gerötet, doch verbrannt hatte er sich nicht; die Suppe war bereits ein wenig abgekühlt gewesen. Er schleuderte die nasse Hose auf den Boden, stürmte ins Bad und drehte den Kaltwasserhahn auf.