— Da ist sie ja! — rief die Schwiegermutter, kaum dass sie Sophie sah. — Sag mal, was machst du denn, Liebes? Stefan erzählt mir, du hättest das Schloss austauschen lassen!

Sophie trat zur Tür und zog ihre Schlüssel hervor.

— Ja — sagte sie ruhig. — Habe ich.

— Was heißt denn hier „habe ich“? — Elisabeth empörte sich sofort. — Das ist doch seine Wohnung!

— Die Wohnung läuft auf meinen Namen — Sophie steckte den Schlüssel ins neue Schloss. — Sie stammt aus dem Erbe meiner Großmutter.

— Aber ihr seid doch eine Familie! — Elisabeth packte sie am Ellbogen. — So etwas macht man nicht, Kind. Ihr habt euch gestritten, ja und? Das kommt vor. Wir sind alle nur Menschen.

Sophie löste ihren Arm aus dem Griff.

— Stefan, deine Sachen stehen dort — sie deutete auf die Taschen und den Koffer an der Wand. — Ich habe alles zusammengeräumt. Sieh nach, ob etwas fehlt. Dann bringe ich es dir heraus.

Stefan starrte sie an, als hätte er sie nicht verstanden.

— Wovon redest du? — murmelte er. — Welche Sachen?

— Deine Sachen.

— Du bist doch zu deiner Mutter gezogen.

— Ich bin nirgendwohin gezogen! — Seine Stimme kippte in ein Schreien. — Ich habe nur eine Nacht bei ihr geschlafen, weil du… — er stach mit dem Finger in Sophies Richtung — …mich mit heißer Suppe übergossen hast!

— Es war kein heißes Wasser — stellte Sophie ruhig klar. — Es war Erbsensuppe. Und sie war lauwarm.

— DU BIST DOCH NICHT GANZ DICHT!

— Mag sein. — Sophie hob nur die Schultern. — Aber Suppe koche ich dir jedenfalls nie wieder.

Elisabeth rang verzweifelt die Hände.

— Um Himmels willen, was ist denn hier los? Stefan, mein Junge, erklär es mir doch vernünftig!

— Sie ist durchgedreht, Mama! — Stefan lachte nervös auf. — Wegen einer lächerlichen Suppe will sie sich scheiden lassen!

— Ich reiche die Scheidung ein — sagte Sophie mit gleichmäßiger Stimme. — Morgen. Wenn du es friedlich möchtest, unterschreibst du die Unterlagen. Wenn nicht, klären wir es vor Gericht.

Für einen Moment wurde es völlig still. Elisabeth sah Sophie mit offenem Mund an. Stefan verlor die Farbe im Gesicht.

— Du… meinst das ernst? — brachte er mühsam hervor.

— Vollkommen ernst.

— Wegen einer Suppe?!

— Nicht wegen der Suppe. — Sophie fuhr sich müde mit der Hand übers Gesicht. — Sondern weil ich seit vier Jahren versuche, so zu sein wie deine Mutter. Ich koche, putze, wasche, bügle. Und ständig höre ich nur: Bei Mama schmeckt es besser, bei Mama ist es sauberer, Mama macht das richtiger. Weißt du was, Stefan? Dann geh zu deiner Mutter. Ich kann das nicht mehr.

— Aber ich wollte doch gar nicht… — setzte Stefan an.

Sophie ließ ihn nicht ausreden.

— Du wolltest es nicht, hast es aber getan. Immer wieder. Jedes einzelne Mal. Jedes verdammte Mal, wenn ich versucht habe, dir etwas Gutes zu tun, hast du etwas gefunden, woran du herummeckern konntest. Und jedes Mal kam der Vergleich mit deiner Mutter. Immer.

Elisabeth stieß einen lauten Seufzer aus.

— Sophie, Liebes — begann sie beschwichtigend —, so darf man das doch nicht machen… Stefan ist eben an Hausmannskost gewöhnt, er meint es doch nicht böse…