— Elisabeth — sagte Sophie und wandte sich ihrer Schwiegermutter zu —, ab morgen dürfen Sie ihn jeden Tag mit Hausmannskost versorgen. Stefan zieht zu Ihnen. Oder er mietet sich eine Wohnung, mir gleich. Aber hier lasse ich ihn nicht mehr herein.

— Das kannst du nicht machen! — fuhr Stefan auf.

Sophie öffnete die Wohnungstür und trat hinein. Auf der Schwelle drehte sie sich noch einmal um.

— Nehmen Sie seine Sachen mit. Was hierbleibt, landet im Müll.

— Sophie! — rief Stefan und machte einen Schritt auf sie zu.

Doch Sophie schlug die Tür zu und drehte den Schlüssel im Schloss herum.

Draußen begann ein Durcheinander aus Stimmen. Stefan rief, die Klingel schrillte, Elisabeth bat durch die Tür, Sophie möge doch bitte aufmachen. Sophie ging in die Küche und schaltete den Wasserkocher ein. Dann setzte sie sich an den Tisch — genau an jenen Tisch, an dem gestern dieses letzte Gespräch stattgefunden hatte.

Die Suppenspuren hatte sie weggeschrubbt, doch wenn man genau hinsah, zeichneten sich auf der Tischdecke noch immer blasse Streifen ab. Sophie strich mit den Fingerspitzen darüber.

Der Wasserkocher klickte. Sie übergoss Minze und Kamille, gab einen Löffel Honig dazu und setzte sich mit der Tasse ans Fenster, in eine Decke gewickelt. Draußen wurde die Dämmerung dichter, in den Fenstern des Hauses gegenüber flammte ein Licht nach dem anderen auf. Irgendwo dort kochten Menschen Suppe, aßen zu Abend, stritten sich, versöhnten sich wieder. Sie lebten.

Und Sophie hatte zum ersten Mal seit vier Jahren das Gefühl, frei atmen zu können.

Ihr Handy vibrierte. Eine Nachricht von ihrer Freundin Laura: „Wie geht’s dir? Wir haben uns ewig nicht gesehen.“

Sophie lächelte und begann zu tippen: „Gut. Stell dir vor, mein Abend ist gerade frei geworden. Hast du Lust, dich zu treffen? Ich habe Neuigkeiten.“

Hinter der Tür war es inzwischen still geworden. Wahrscheinlich war Stefan mit seiner Mutter gegangen und hatte seine Sachen mitgenommen. Die Wohnung war von Ruhe erfüllt, aber diesmal war es eine andere Ruhe. Keine drückende. Keine leere.

Einfach nur Stille. Vertraut und friedlich.

Sophie trank ihren Tee aus und ging zum Kühlschrank. Morgen nach der Arbeit musste sie im Supermarkt vorbeischauen. Sie würde etwas kaufen — nur für sich. Etwas, das sie selbst mochte. Vielleicht Lachs. Oder Garnelen. Oder einfach gedünstetes Gemüse mit Käse.

Irgendetwas.

Nur keine Erbsensuppe.

Nie wieder irgendeine Erbsensuppe.

Nie wieder Erbsensuppe.

❦

Als ich ins Badezimmer kam, stand mein Mann über dem Waschbecken und wusch seine Unterhose aus — und weinte dabei. Ein Blick in die Schüssel genügte: Das Wasser war tiefrot, fast dickflüssig, als hätte er dort gerade ein Stück Fleisch zerlegt. Auf der Waschmaschine lag seine Jeans, und aus einer Tasche ragte ein Kassenbon von einem Juwelier.

„Wen löst du da gerade in Säure auf, Matthias Möller?“, fragte ich, lehnte mich mit der Schulter an den Türrahmen und verschränkte die Arme.

Matthias zuckte so heftig zusammen, dass die schaumige, dunkelrote Brühe auf die hellen Fliesen schwappte.