Markus Krauses Lächeln war nicht das Lächeln eines Schwiegervaters, der sich über das neue Zuhause seines Sohnes freute.

Es war das Lächeln eines Mannes, der bereits gerechnet hatte.

Am nächsten Morgen vereinbarte Lea einen Termin bei einem Anwalt. Nicht bei einer Freundin, nicht bei jemandem, den irgendwer empfohlen hatte, sondern bei einem völlig Fremden, den sie nach langer Suche im Internet gefunden hatte: gute Bewertungen, klare Spezialisierung, Kanzleiadresse in einem Bürohaus am anderen Ende der Stadt.

Sie wollte lediglich wissen, wovor sie sich wirklich fürchten musste.

Während der Bus sie durch die aufgeheizten Straßen brachte, sah Lea durch die Scheibe hinaus. Die Fassaden flimmerten in der Hitze, Menschen warteten träge an Haltestellen, und an den Ampeln stand die Luft wie unter Glas. Ihre Gedanken kehrten immer wieder zu Sophia Weiß zurück. Am Morgen hatte sie erneut angerufen und mitgeteilt, sie werde am Samstag vorbeikommen. Sie wolle „beim Putzen helfen“.

Und Lukas hatte geantwortet: Natürlich, Mama, komm ruhig.

Ohne Lea auch nur anzusehen.

Wie immer.

Der Anwalt war jünger, als sie erwartet hatte, vielleicht Mitte dreißig. Er trug eine schmale Brille, hatte einen sorgfältig gestutzten Bart und sprach in knappen, präzisen Sätzen. Felix Peters hieß er. Sein Büro war nicht groß, wirkte aber ernsthaft und sachlich: Aktenordner bis unter die Decke, auf dem Schreibtisch nur ein Laptop, ein Notizblock und ein Glas Wasser.

Lea legte die Kopien der Dokumente vor ihn hin.

Er blätterte schweigend, hielt ab und zu inne und machte sich mit Bleistift eine kurze Notiz. Nach einer Weile nahm er die Brille ab und rieb sich über den Nasenrücken.

„Das Geld stammte also von Ihnen persönlich? Vor der Ehe angespart?“

„Ja“, sagte Lea. „Drei Jahre lang.“

„Können Sie das belegen? Kontoauszüge, Überweisungen, Herkunft der Beträge?“

„Alles vorhanden.“

Er nickte langsam, und zum ersten Mal wirkte sein Gesicht beinahe zustimmend.

„Dann ist Ihre Ausgangslage gut. Aber Sie sollten jetzt handeln, nicht irgendwann später. Später wird alles komplizierter.“

Auf dem Heimweg nahm Lea nicht denselben Bus zurück. Sie stieg früher aus und ging durch den Park, obwohl die Hitze schwer auf ihr lag. Sie musste laufen. Sich bewegen. Denken.

Die Linden entlang der Wege dufteten süß und dicht, fast betäubend. Irgendwo kreischten Kinder, auf jeder Bank saßen Menschen mit Wasserflaschen, Einkaufstaschen oder müden Gesichtern. Es war ein ganz normaler Sommertag in einer ganz normalen Stadt. Und doch verschob sich in Lea etwas, als würde jemand in einem viel zu engen Zimmer endlich die Möbel so verrücken, dass man wieder atmen konnte.

Sie war nicht wütend. Das überraschte sie selbst am meisten. Keine Wut. Nur Klarheit.

Der Samstag kam, und mit ihm Sophia Weiß. Punkt halb elf stand sie vor der Tür, eine Tasche in der Hand, aus der der Stiel eines Wischmopps ragte. Nicht irgendein Putzutensil aus Leas Wohnung — ihr eigener Mopp, von zu Hause mitgebracht. Als wäre Leas Haushalt nicht einmal dafür gut genug.