Ich stellte den Eimer ab. Sofort richtete ich mich auf und sah meine Mutter an.
Sie drehte sich nicht einmal um. Sie schälte weiter ihre Zwiebeln, die trockenen Häute fielen ihr in den Schoß, und sie sprach ruhig, als rede sie über das Wetter oder über den Brotpreis im Dorfladen. Für Emilia. Pflanzen wir. Wir.
Es war dieselbe Erde. Dieselben Furchen hatte ich gezogen. Und an meinen Händen klebte genau dieser Lehm, den man später zwei Tage lang nicht unter den Fingernägeln herausbekam.
Wilma räusperte sich und betrachtete plötzlich sehr aufmerksam ihren eigenen Zaun.
Ohne ein Wort wusch ich mir die Hände am Wasserfass. Schweigend stapelte ich die Eimer in der Ecke, schweigend schloss ich den Schuppen. Dann öffnete ich den Anhänger und startete die Motorhacke.
»Was machst du denn mit ihr?« Jetzt stand meine Mutter doch von der Kiste auf.
»Ich nehme sie mit.«
»Aber die stand doch immer hier.«
»Stand sie. Jetzt nicht mehr.«
Über die Bretter, die ich im Anhänger dabeihatte, schob ich die Maschine hinauf, zog den Gurt fest und warf die Plane darüber. Das Ding war schwer; normalerweise rief ich dafür den Nachbarn. An diesem Tag schaffte ich es allein. Wut ersetzt erstaunlich gut ein zweites Paar Hände.
»Greta, bist du etwa beleidigt?« Sie sagte es verwundert, so ehrlich verwundert, dass einem innerlich alles absackte.
»Sie gehört mir, Mama. Wenn ihr sie braucht, ruft an.«
»Wen sollen wir denn anrufen?«
»Mich. Oder Emilia. Vielleicht hat Emilia ja auch irgendwo eine Motorhacke.«
Wilma Petrowna verschwand vom Tor, schnell und fast seitwärts.
Ich setzte mich ins Auto, ließ den Motor an und fuhr auf den Feldweg hinaus. Im Rückspiegel sah ich meine Mutter beim Gewächshaus stehen, klein, in dieser viel zu warmen Jacke, und mir nachsehen. Sie blieb so stehen, bis die Straße eine Kurve machte.
Drei Kilometer lang fuhr ich, ohne überhaupt etwas zu fühlen. Erst an der Auffahrt zur Landstraße begannen meine Finger am Lenkrad zu zittern, und ich musste rechts ranfahren.
Ich saß da und blickte über die Felder. April, alles grau, nur in den Gräben zeigte sich stellenweise Grün. In mir war es genauso leer und eben wie dort draußen.
Dabei hatte ich nichts Ungewöhnliches getan. Ich hatte nur etwas mitgenommen, das ich selbst bezahlt hatte. Wegen so etwas sitzt man nicht am Straßenrand und weint.
Geweint habe ich trotzdem nicht. Ich fuhr bis in die Stadt, stellte die Motorhacke in die Garage, duschte und legte mich um vier Uhr nachmittags schlafen. Um sieben weckte Sebastian mich. Er brachte Tee ins Zimmer und setzte sich neben mich auf die Sofakante.
»Hast du wieder alles allein umgegraben?«
»Allein.«
»Greta. Wie lange soll das noch so gehen?«
»Eine Saison. Die Kartoffeln sind gesetzt. Ich grabe sie im Herbst aus, und dann ist Schluss.«
Er sagte nichts darauf, stellte nur die Tasse auf den Nachttisch. Diesen Blick kannte ich. Mein Mann war Auslieferungsfahrer, seit zwanzig Jahren auf der Straße, und er war daran gewöhnt, Probleme einmal zu lösen — und endgültig.
Meine Mutter rief am nächsten Tag nicht an. Auch eine Woche später nicht.