Sie meldete sich zwei Monate lang nicht.

Das Gewächshaus war weg.

Am zwanzigsten Juni, einem Samstag, stieg ich mit zwei Einkaufstüten aus der Kreisstadt aus dem Auto. Das Erste, was ich sah, war die kahle Stelle am Zaun. Ein sauberer rechteckiger Fleck nackter Erde, hartgetreten wie ein Hofplatz. Darauf standen vier neue Betonsteine.

Das Gewächshaus hatte ich 2022 aufstellen lassen. Polycarbonat, verzinkter Rahmen, Lieferung — alles zusammen ungefähr dreihundertachtzig Euro. Sebastian und ich hatten zwei Tage daran gebaut, und er hatte sich damals an der Kante einer Platte die Hand aufgerissen.

Vier Sommer lang hatte es dort gestanden. Meine Mutter zog darin Tomaten, die sie später in Drei-Liter-Gläsern in der ganzen Straße verteilte.

»Mama?«

Sie kam auf die Veranda hinaus und wischte sich die Hände an der Schürze ab.

»Du bist da. Hast du Brot mitgebracht? Im Dorfladen haben sie wieder keines geliefert.«

»Wo ist das Gewächshaus?«

»Ach das.« Sie machte eine wegwerfende Handbewegung. »Wir haben es abgebaut. Das Metall hat Paul mitgenommen.«

»Das Gestänge hat Paul gleich eingeladen. Die Platten liegen hinter der Sauna auf einem Haufen. Vielleicht kann jemand daraus noch ein Frühbeet machen.«

»Wer hat es abgebaut?«

»Emilia und Philipp waren letzten Sonntag hier. Sie wollen einen Pavillon aufstellen. Sie meinten, der Platz sei ideal, da scheint bis abends die Sonne hin.«

Ich blieb mit den Einkaufstüten in den Händen stehen. Darin waren Brot, Zucker und zwei Packungen von ihren Blutdrucktabletten, die man im Dorf nicht bekam.

Ein Pavillon. Für Emilia, die hier vielleicht dreimal im Jahr auftauchte.

»Mama, das war mein Gewächshaus.«

»Ach, Greta, fang nicht an. Es stand doch auf meinem Grundstück.«

Genau das war der Satz, auf den es ankam. Sie sagte ihn ganz ruhig, beinahe nebenbei, während sie sich weiter die Hände abwischte. Auf meinem Grundstück. Damals begriff ich noch nicht, dass mit diesen Worten im Grunde schon alles entschieden war.

Ich ging ins Haus, stellte die Tüten auf den Tisch, holte mein Handy heraus und öffnete die Nachrichten. Emilia hatte am achtzehnten Juni ein Foto eingestellt: Balken auf dem Gras ausgebreitet, Philipp mit einem Maßband in der Hand, darunter ein Spruch über Landleben, frische Luft und Romantik. Siebzehn Herzchen darunter.

Das Bild war zwei Tage vor meiner Ankunft hochgeladen worden. In den Familienchat hatte mir niemand auch nur ein Wort geschrieben.

Ich setzte mich auf den Hocker am Fenster und begann zu rechnen. Nicht das Geld, das hatte ich ohnehin im Kopf. Ich zählte Samstage.

Seit neun Jahren fuhr ich fast jeden Samstag hierher. Neunzig Kilometer hin und zurück, jedes Mal etwa sechs Euro für Benzin. Die Fahrten unter der Woche, wenn ich Medikamente brachte, waren da noch nicht einmal dabei.

In all den Jahren hatte ich ihr das Dach machen lassen, einen Brunnen bohren lassen, den Heizkessel erneuert und den Zaun samt Toren instand gesetzt. Ich hatte nie Buch geführt wie eine Buchhalterin. Aber solche Summen vergisst man nicht. Sie waren schließlich Monat für Monat aus meinem Gehalt verschwunden.