»Sie hat es überschrieben?«

»Am Zehnten.«

Er fluchte knapp, zur Seite hin. Ich zog die Jacke aus, hängte sie ordentlich an den Haken und ging mir die Hände waschen. Ich wusch sie lange, vielleicht drei Minuten, obwohl längst nichts mehr daran war.

Das Merkwürdige war: Überraschung empfand ich nicht. Es fühlte sich eher an, als hätte endlich jemand eine Decke weggezogen, unter der genau das lag, was meine Hand schon die ganze Zeit ertastet hatte.

Am Donnerstag, dem siebzehnten September, klingelte um sieben Uhr abends mein Telefon. Mutter rief an.

Zum ersten Mal seit drei Wochen.

»Gretchen, hallo. Wie geht es dir denn?«

»Normal.«

»Komm am Samstag vorbei. Die Kartoffeln müssen raus, das Kraut liegt schon komplett am Boden. Wenn wir sie zu lange drinlassen, fangen sie an zu faulen.«

Ich schwieg.

»Emilia und Philipp können nicht, die sind in die Türkei geflogen. Die Reise hatten sie seit dem Frühjahr gebucht. Die Kinder sind bei der Schwiegermutter. Und allein schaffe ich das nicht, du kennst doch meinen Rücken.«

Ich sagte weiterhin nichts.

»Greta? Ist die Verbindung schlecht?«

»Nein, Mama. Die Verbindung ist ausgezeichnet. Ich komme am Samstag. Gegen acht.«

»Braves Mädchen. Ich brate Kartoffeln.«

Sie legte zufrieden auf. Vom Notar erwähnte sie kein einziges Wort. Genau eine Woche war vergangen, seit die Papiere unterschrieben worden waren, und Mutter war vollkommen überzeugt, dass ich von nichts wusste.

Da klickte etwas in mir ein. Nicht Kränkung. Gekränkt war ich im April gewesen, im Juni und im August. Diesmal war es etwas anderes, kalt und glasklar.

Ich ging in die Garage. Der Einachsschlepper stand seit April unberührt unter einer Plane an der Wand. Ich füllte Benzin ein, kontrollierte die Fräsen und zog den Riemen nach. Am Freitagabend schob Sebastian ihn eigenhändig auf den Anhänger.

»Ich fahre mit«, sagte er.

»Nein. Ich fahre allein.«

»Greta.«

»Sebastian, allein. Es muss so sein.«

Er legte zwanzig leere Futtersäcke auf den Anhänger, die ich von der Arbeit mitgebracht hatte, dazu drei Eimer. Dann überlegte er kurz und warf noch zehn weitere Säcke dazu.

Am Samstag, dem neunzehnten September, fuhr ich um sechs Uhr morgens los.

Der Morgen war klar und kalt. Über den Feldern hing Nebel, auf der Straße war kaum jemand unterwegs. Um Viertel vor acht bog ich auf den Feldweg ein. Vor dem Gartentor mit dem ausgeleierten Scharnier stellte ich den Motor ab und blieb noch einen Moment sitzen.

Mutter stand bereits in ihrer wattierten Jacke in der Tür.

»Ach, du hast die Maschine mitgebracht! Wie gut von dir. Ich dachte schon, wir müssten mit dem Spaten ran.«

»Mit der Maschine geht es schneller.«

Ich stieg aus und ging zum Anhänger.

Ich rollte die Motorhacke über die Bretter hinunter, ließ sie warmlaufen und ging damit auf das Stück Land. Sechshundert Quadratmeter, zweiundzwanzig Reihen. Das Kraut lag gelb und schwer vom Tau auf der Erde.

Zwei Stunden lang arbeitete ich mich durch den Acker. Die Maschine lief sauber, fraß sich gleichmäßig vorwärts und warf die Knollen nach oben. Mutter ging zunächst hinter mir her und sammelte alles in Eimer, solange ihr Rücken mitmachte. Dann setzte sie sich auf die Stufe vor dem Haus und sah nur noch zu.