In diesem Jahr war die Ernte wirklich gut geraten. Große, glatte, saubere Kartoffeln. Unser Boden war leicht, sandig, dankbar.
Fünfundvierzig Eimer kamen zusammen. Ich zählte jeden einzelnen, während ich die Kartoffeln in Säcke umfüllte.
Gegen halb elf war das ganze Feld umgegraben. Die Knollen hatten in der Sonne ein wenig abgetrocknet, und die gefüllten Säcke standen in ordentlichen Reihen neben der Furche. Mutter brachte mir Tee in einer Tasse und stellte ihn auf eine umgedrehte Kiste.
»So«, sagte sie zufrieden. »Jetzt müssen wir das nur noch in den Keller schaffen. Vier Eimer lässt du mir oben im Vorraum stehen, ja? Die sortiere ich mir dann nach und nach.«
Ich nahm den ersten Sack und hievte ihn auf den Anhänger.
Den zweiten. Den dritten. Den fünften.
Anfangs sagte Mutter kein Wort. Sie beobachtete mich nur. Beim achten Sack stand sie plötzlich auf.
»Greta. Was machst du da? Wohin bringst du die?«
»Zu mir nach Hause.«
»Wie, zu dir nach Hause?«
»Ganz einfach, Mama. Mit dem Wagen. Erst über die Landstraße, dann weiter Richtung Stadt.«
»Bist du denn von Sinnen? Das sind meine Kartoffeln!«
Ich ließ den Sack sinken und richtete mich auf. Meine Arme waren bis über die Ellbogen voller Erde, und die Kruste begann schon auf der Haut zu trocknen.
»Nein, Mama. Das sind meine Kartoffeln. Das Saatgut war von mir. Ich habe es in meiner Garage aussortiert. Ich habe am fünfundzwanzigsten April elf Eimer gesetzt. Ich habe angehäufelt. Und ich habe sie heute ausgegraben, mit meiner eigenen Motorhacke, die ich selbst bezahlt habe.«
»Aber das Grundstück…«
»Das Grundstück gehört nicht mehr dir. Es gehört jetzt Emilia. Am zehnten September habt ihr beim Notar unterschrieben. Und mir habt ihr kein Wort davon gesagt.«
Mutter öffnete den Mund, klappte ihn aber gleich wieder zu. Nicht einmal fragte sie, woher ich es wusste. Sie stand nur neben dem Anhänger, klein in ihrer wattierten Jacke, und knetete den Rand ihrer Schürze zwischen den Fingern.
»Aber… Emilia doch… sie hat doch die Kinder…«
»Emilia hat das Grundstück. Dann soll Emilia auch Kartoffeln bringen. Oder welche kaufen. Im Dorfladen verschenken sie sie jedenfalls nicht.«
Ich lud weiter. Zweiundvierzig Eimer verschwanden in den Säcken unter der Plane, mit Gurten festgezurrt. Drei Eimer trug ich zur Veranda und stellte sie neben die Tür. Ordentlich, dicht an dicht.
»Die sind für euch. Bis Neujahr reicht es, wenn du immer nur zwei Kartoffeln in die Suppe schneidest. Danach kann Emilia liefern. Ihr Auto ist größer als meins.«
Mutter starrte auf die drei Eimer und schwieg.
»Du bist doch kräftig, dir fällt das nicht schwer«, sagte ich. »Das habt ihr doch selbst immer gesagt, Mama. Ich lege nur ab, was nicht mehr zu mir gehört.«
Aus der Jackentasche holte ich meinen Schlüsselbund, löste den Schlüssel zu diesem Haus ab und ging über die Straße zu Wilma Petrowna. Natürlich stand Wilma am Fenster. Sie hatte alles gesehen.
»Wilma Petrowna, nehmen Sie ihn bitte. Geben Sie ihn Emilia, wenn sie kommt. Der Schlüssel soll bei der Eigentümerin sein.«