„Und statt mit mir zu sprechen, hast du beschlossen, alles zu verbergen und neue Schulden aufzunehmen?“ Laura schüttelte langsam den Kopf.

„Maximilian hat mich überzeugt, dass wir das verlorene Geld zurückholen könnten“, sagte Daniel. „Er hatte angeblich ein neues Projekt, diesmal viel sicherer. Also nahm ich einen Kredit auf. Dann noch einen. Und wieder lief alles schief. Währenddessen wurden die Zinsen immer höher.“

„Das ist ein typischer Mechanismus“, schaltete sich die Finanzberaterin ein. „Man nimmt neue Darlehen auf, um alte Verpflichtungen zu bedienen, und gerät dadurch immer tiefer in eine Schuldenspirale. Irgendwann zahlt man nicht mehr die eigentliche Summe zurück, sondern kämpft nur noch gegen Zinsen, Mahnungen und Fristen.“

Laura presste die Lippen zusammen. Dann fragte sie leise:

„Und Maximilian? Wie ist die Sache mit ihm ausgegangen?“

Daniel senkte den Blick auf seine Hände.

„Er ist vor drei Monaten verschwunden“, gab er zu. „Er ging nicht mehr ans Telefon, beantwortete keine Nachrichten. Von gemeinsamen Bekannten habe ich nur gehört, er sei ins Ausland gegangen.“

„Mit anderen Worten: Er hat dich benutzt.“ Laura sah ihn fassungslos an. Es fiel ihr schwer zu begreifen, dass ihr Mann, den sie einmal für vernünftig und besonnen gehalten hatte, so leichtgläubig gewesen sein sollte.

Daniel nickte kaum merklich.

„Ja. Danach sieht es aus. Ich war ein kompletter Narr.“

Die Beraterin ließ ihnen einen Moment, dann rückte sie ihre Unterlagen zurecht.

„So schmerzhaft diese Erkenntnis ist: Im Augenblick hilft es nicht, sich nur mit Schuldfragen aufzuhalten. Entscheidend ist, wie Sie aus der Lage wieder herauskommen. Ich habe einen Vorschlag zur Umschuldung und schrittweisen Rückzahlung von Daniels Verbindlichkeiten ausgearbeitet. Wenn Sie konsequent bleiben, ist der Plan realistisch. Es wird allerdings ungefähr drei Jahre dauern.“

Sie drehte den Laptop zu ihnen und legte zusätzlich mehrere ausgedruckte Tabellen auf den Tisch. Darauf standen monatliche Raten, Fälligkeiten, mögliche Einsparungen und eine vorsichtige Prognose, wann welche Forderung beglichen sein könnte.

Daniel starrte auf die Zahlen und schüttelte den Kopf.

„Mit meinem jetzigen Einkommen ist das nicht zu schaffen. Selbst wenn ich jeden Cent umdrehe, bleibt zu wenig übrig. Ich brauche auf jeden Fall eine zusätzliche Einnahmequelle.“

„Hast du schon eine Idee?“ fragte Laura.

„Ich habe Bewerbungen an mehrere private Schulen und Sprachinstitute geschickt“, antwortete er. „Als Literaturlehrer habe ich gute Referenzen. Und wenn es nötig ist, arbeite ich abends oder am Wochenende. Ich bin bereit, mehr zu tun.“

Laura sagte zunächst nichts. Sie las die Tabellen aufmerksam durch, Zeile für Zeile. Die Situation war ernst, viel ernster, als Daniel ihr je angedeutet hatte. Doch sie war nicht aussichtslos. Genau das hatte die Beraterin auch gesagt. Vorausgesetzt, Daniel hörte endlich auf, sich selbst zu belügen, und begann, Geld nicht wie ein lästiges Detail, sondern wie Verantwortung zu behandeln.

Nach einer Weile hob Laura den Kopf.